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Jenseits von Buchstaben und Gematria

Die Rückkehr in die formlose Stille – Warum die Stille alle Systeme übersteigt

Wer sich jahrelang durch die dichten Schichten von Kabbala, Lautwesen, rot-blauen Markierungen, hebräischen Buchstaben und mathematischen Gematria-Tabellen gearbeitet hat, bewegt sich in einem hochkomplexen, faszinierenden System. Es ist das Handwerkszeug, das große Mystiker und Denker meisterhaft aufbereitet haben, um die Struktur des Bewusstseins durch den Spiegel der Sprache zu entfalten.

Die Notwendigkeit des Weges und die Überbetonung des Systems

Nichts davon war umsonst oder unnötig. Diese lange Beschäftigung mit diesen Konzepten war ein wichtiger, vorbereitender Schritt, um überhaupt erst das Fundament zu legen. Die Betrachtungen waren nicht falsch, im Gegenteil – sie waren die notwendige Brücke. Doch oft sind solche Lehren von einer ständigen, fast drängenden Überbetonung getragen: dem ständigen Appell, dass etwas dieser Lehren „sehr wichtig“ sei, dass es die einzig gültige Lehre wäre, und dem Versuch, den Verstand des Avatars auf Teufel komm raus in ein bestimmtes System hineinzuziehen. Doch wisse, jedes System, das sich an Codierungen, sprachliche Matrix-Analysen und mentale Werkzeuge klammert, bleibt letztlich im horizontalen Raum des Verstandes gefangen. Die Prämisse, man müsse zwingend durch diese technischen Schleusen gehen, verwechselt das Werkzeug mit der Quelle.

Der Irrtum von der Krönung und der Notschöpfung

Traditionelle kabbalistische Dogmen – wie die Vorstellung, Tiere hätten nur eine niedere Seelenstufe (Nefesch) ohne göttlichen Funken, während der Mensch mit seinem rastlosen Ego als „Krönung der Schöpfung“ thront – entspringen immer demselben menschlichen Überlegenheitswahn. Wenn man genauer hinschaut, entpuppt sich die Idee vom Menschen als „Krönung der Schöpfung“ in den alten Texten oft als Fehlübersetzung oder Fehlinterpretation, genau wie fast alle anderen Konzepte. Man lernt oft mehr von der reinen Präsenz eines Steines, einer Pflanze oder eines Tieres als von jedem intellektuellen Lehrer. Sie verlangen nichts, sie haben kein Ego, das abgestellt werden soll oder in ein Konzept gepresst werden will, und sie sind einfach in ihrer formlosen Seinsform. Kleine Kinder oder Tiere benötigen keine hebräischen Buchstaben, um in der absoluten Stille zu sein. Es ist gerade das menschliche Ego mit seinen Begierden, das den Lärm erzeugt, den die Codierung mühsam zu bändigen versucht.

Naturvölker und die Illusion des Weges

Auch die abrahamitischen Buchreligionen haben das Verbot – sich kein Bild zu machen – zwar aufgestellt, sind dann aber im selben Atemzug in einen gigantischen, intellektuellen Wahn verfallen, dieses absolute Unbekannte bis ins kleinste Detail zu sezieren und in Buchstaben-Matrizen zu pressen. Naturvölker hingegen sind aufgrund fehlender schriftlicher Dogmen und Bildung nie in solche verkopften Bereiche vorgedrungen; sie lebten und spürten die Schöpfung unmittelbar, ohne den Umweg über künstliche Systeme.

Zudem ist die ganze Idee eines „Weges“, den man mühsam beschreiten muss, um irgendwann als scheinbar gekrönter Mensch das Vakuum zu erreichen, letztlich wieder nur Teil der Story im horizontalen Film. Wenn alles, absolut alles, direkt aus diesem unendlichen Vakuum und der reinen Stille entspringt, kann man nicht sagen, in dem Menschen sei „mehr Vakuum“ oder er hätte exklusiv die Möglichkeit dazu. Alles hat diese Möglichkeit, weil alles aus dem Vakuum kommt und dorthin zurückkehrt. Es gibt keine Hierarchie der Seelen und keinen Vorrang des Menschen. Ein Stein, eine Pflanze, ein Tier und der Avatar sind exakt dasselbe verdichtete Bewusstsein. Ein Stein geht keinen Weg, weil er niemals vom Ursprung getrennt war – er liegt genauso im gleichen Bewusstsein, während der Mensch sich erst mühsam durch Jahrzehnte von Systemen quälen soll, um zu kapieren, dass es überhaupt nichts zu suchen gab.

Die radikale Stille

Der Übergang von der Analyse zur reinen Schau ist simpel und unumkehrbar. Es braucht keinen externen Lehrer, keine Massenbelehrung oder Abholung von Seelen an einem bestimmten Punkt, und auch keine endlosen Analysen der Lautwesen mehr. Wenn die äußere Welt als das erkannt wird, was sie ist – ein flüchtiger, im inneren Spiegel ablaufender Film –, fällt auch die Notwendigkeit ab, das Spielfeld durch einen suchenden Weg, mit magischen Filtern oder Frequenzwällen zu begehen und dann auch noch verteidigen zu wollen.

Die wahre Befreiung beginnt dort, wo das Erklären aufhört und die absolute, unberührbare Stille Platz greift. Kein System der Welt kann dorthin führen; sie ist kein Verdienst des Willens, sondern der reine, formlose Gnadenakt des Seins selbst.

Aus dem Strom des Seins ~ Eine Erinnerung

„Denke an eine Welle im Ozean. Sie erhebt sich, nimmt Gestalt an, scheint eine eigene Existenz zu besitzen, bewegt sich für einen kurzen Augenblick und kehrt dann ins Meer zurück. Sie hat niemals aufgehört, der Ozean zu sein. Ihre Form hat sich vorübergehend verändert, doch ihr Wesen ist unverändert geblieben.“

„Das Leben mag wie ein Traum erscheinen, wenn wir nur seine vergänglichen Formen betrachten. Doch das wahre Erwachen geschieht genau in dem Augenblick, indem wir unsere Einheit mit der großen Ordnung der Existenz erkennen und uns dafür entscheiden, in stillem Frieden mit ihr zu leben. Rudere sanft – arbeite mit dem Fluss der Natur und dem Zufall zusammen. Alles fügt sich dann wie von selbst, als zufälliger Gnadenakt. Weisheit wird dabei nie schaden.“