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SCHIR HA-SCHIRIM

3. Die Heimkehr und das Siegel
- »Wohin, ist dein Minner gegangen, Schönste unter den Weibern, wohin hat sich dein Minner gewandt? wir wollen mit dir ihn suchen.« -»Mein Minner steigt zu seinem Garten hinab, zu den Balsambeete, in den Gartengründen zu weiden, Lilien zu lesen. Ich bin meines Minners, mein Minner ist mein, der unter Lilien weidet.«
Arcanum Transformation
Die Rückkehr in das **innere Arcanum**. Der Geist ist nicht im Außen zu finden, sondern dort, wo die Lilien (die reinen Gedanken) wachsen. Das "Wir" der Suche löst sich auf in der Gewissheit: Ich bin meines Geistes, und mein Geist ist mein. Es ist die Aufhebung der Trennung.
- Schön bist du, meine Freundin, wie Tirza, die »Gnadenstadt«, anmutig wie Jerusalem, furchtbar wie sie, die Fahnenumschwungnen. Kehre von mir ab deine Augen, drum daß sie mich verwirren! Dein Haar ist wie eine Herde von Ziegen, die vom Gilad wallen, deine Zähne wie eine Herde von Schafen, die aus der Schwemme steigen, die alle zwieträchtig sind, fehlwürfig keins unter ihnen. Wie ein Riß der Granatfrucht ist deine Wange, hinter deinem Schleier hervor. Sechzig sinds der Königinnen, achtzig der Kebsen, und Mädchen ohne Zahl, - eine einzige ist meine Taube, meine Heile, eine einzige ist sie bei ihrer Mutter, eine Erkorne bei ihrer Gebärerin. Die Töchter sehn sie, und heißen sie beglückt, die Königinnen und Kebsen, und preisen sie.
Arcanum Transformation
Die Schau der **Eizigen (Jechida)**. Inmitten der unzähligen Möglichkeiten und Aspekte des Bewusstseins (Königinnen, Kebsen) gibt es nur eine einzige, unteilbare Essenz: Deine Taube, dein wahres Heil. Sie ist "furchtbar wie die Fahnenumschwungnen", weil ihre Wahrheit keine Kompromisse mit dem Ego mehr zulässt.
- Wer ist diese, die vorglänzt wie das Morgenrot, schön wie der Mond, lauter wie der Glutball, furchtbar wie die Fahnenumschwungnen? - Zu meinem Nußgarten stieg ich hinab, die Triebe im Tal zu besehn, zu sehn, ob die Rebe treibt, ob die Granaten erblühn, da - ich kenne meine Seele nicht mehr - versetzt michs ins Gefährt meines Gesellen, des edlen.
Arcanum Transformation
Der **Sprung ins Gefährt**. Wir steigen in den "Nußgarten" (die verborgenen Schichten der Kabbala) hinab, um das Wachstum zu prüfen. In dem Moment, in dem das Ego seine eigene Seele nicht mehr erkennt (weil sie zu weit geworden ist), übernimmt die Führung des "edlen Gesellen" – die Souveränität des wahren Geistes.
- Dreh dich, dreh dich, Schulamitin, dreh dich, dreh dich, daß wir dich beschaun! - Was wollt ihr an der Schulamitin beschaun? - Etwas, das dem Reigen des Doppellagers gleicht! Wie schön sind deine Tritte in den Schuhn, Tochter des Edlen! Die Biegungen deiner Hüften sind gleichwie Spangen, Werk der Hände eines Meisters. Dein Schoß ist eine Rundschale, - nimmer ermangle sie des Mischtranks! Dein Bauch ist ein Weizenhaufen, von Lilien umsteckt. Deine zwei Brüste sind wie zwei Kitzlein, Zwillinge einer Gazelle. Dein Hals ist wie ein Elfenbeinturm. Deine Augen sind die Teiche in Cheschbon am Tore von Bat-rabbim. Deine Nase ist wie der Libanonturm, der nach Damaskus hin späht. Dein Haupt auf dir ist wie der Karmel, die Flechten deines Hauptes wie Purpur, - ein König verstrickt sich in den Ringeln.
Arcanum Transformation
Der **Reigen des Doppellagers**. Die "Schulamitin" (die Friedvolle) ist das Ebenbild der Harmonie. Jedes Körperteil wird zum kosmischen Symbol: Der Schoß als Gefäß für den Mischtrank des Lebens, der Hals als Elfenbeinturm (die unbefleckte Verbindung). Selbst der Geist (der König) ist nun "verstrickt" in die Schönheit der manifestierten Schöpfung.
- Wie schön und wie mild bist du, Liebe, im Genießen! Dieser Wuchs dein ähnelt der Palme und deine Brüste den Trauben. Ich habe zu mir gesprochen: Ersteigen will ich die Palme, greifen will ich ihre Rispen, daß doch deine Brüste seien wie Trauben des Rebstocks und deines Nasenatems Duft wie von Äpfeln und dein Gaum wie der gute Wein... - ...der gradaus in meinen Minner eingeht, - ...noch im Schlaf macht er die Lippen sich regen. - Ich bin meines Minners, nach mir ist sein Begehren.
Arcanum Transformation
Die **Alchemie des Genießens**. Wir steigen auf die "Palme" des Seins. Der Odem (Nasenatem) duftet nach Äpfeln (Wissen/Heilung). Es gibt kein Widerstreben mehr – die Figur erkennt: "Nach mir ist sein Begehren." Der Schöpfer braucht das Geschöpf, um sich selbst zu erfahren.
Geh heran, nein Minner, ziehn wir ins Feld hinaus, nachten wir an den Dörfern, besuchen die Wingerte wir in der Frühe, besehn wir, ob der Rebstock treibt, ob die Knospe sich öffnet, ob die Granaten erblühn; - dort will ich meine Minne dir geben. Die Minnebeeren geben Duft aus, an unsern Türen sind allerhand Köstlichkeiten, neue, auch alte, für dich, mein Minner, habe ich sie aufgespart.
Arcanum Transformation
Der Auszug ins **Quantenfeld**. Wir verlassen die Stadt (das Denken) und ziehen ins Feld (das Sein). Die Früchte unserer Arbeit – die alten Erfahrungen und die neuen Erkenntnisse – halten wir bereit für die Vereinigung in der Stille des Morgens.
Wer gibt dich mir als Bruder, der an meiner Mutter Brüsten sog! Fände ich dich auf der Gasse, ich küßte dich und sie dürften mein doch nicht spotten, ich führte dich, ich brächte dich in meiner Mutter Haus, du müßtest mich lehren, mit Würzwein tränkte ich dich, mit Granatenmost. - Seine Linke mir unterm Haupt, und seine Rechte kost mich. ich beschwöre euch, Töchter Jerusalems, störtet, aufstörtet ihr die Liebe, bis ihrs gefällt,
Arcanum Transformation
Die **Überwindung der Scham**. Wir bringen den Geliebten ins "Haus der Mutter" – an den Ort der Wurzeln. Keine äußere Instanz darf hier mehr spotten. Es ist die endgültige Intimität mit dem Geist, geschützt durch das Gesetz des Nicht-Störens (fruchtbringende Faulheit).
- Wer ist diese, heransteigend von der Wüste, an ihren Minner gelehnt? - Unter dem Apfelbaum habe ich dich aufgestört, eben dort kam in Wehn mit dir deine Mutter, eben dort lag in Wehn deine Gebärerin. Setze mich wie ein Siegel dir auf das Herz, wie einen Siegelreif dir um den Arm, denn gewaltsam wie der Tod ist die Liebe, hart wie das Gruftreich das Eifern, ihre Flitze Feuerflitze, - eine Lohe oh von Ihm her! Die vielen Wasser vermögen nicht die Liebe zu löschen, die Ströme können sie nicht überfluten. Gäbe ein Mann allen Schatz seines Hauses um die Liebe, man spottete, spottete sein.
Arcanum Transformation
Das **Siegel der Unauslöschlichkeit**. Die Liebe wird zum Siegel auf Herz und Tat. Sie ist gewaltsam gegenüber dem Ego, weil sie keine Trennung mehr duldet. Weder Zeit noch Widerstände (Wasser) können diese Frequenz löschen. Wer versucht, sie zu kaufen, hat sie bereits verloren.
- »Unser ist eine Schwester, eine kleine, sie hat noch keine Brüste, - was wollen mit unsrer Schwester wir tun am Tag, da man um sie redet?« - »Ist sie eine Mauer, baun eine Silberzinne wir drauf, und ist sie eine Pforte, rammeln eine Zedernplanke wir dran.« - Nun ich eine Mauer bin, meine Brüste Türmen gleich, so ward ich in seinen Augen wie eine, die Befriedung fand.
Arcanum Transformation
Die **Befriedung der Materie**. Die kleine Schwester (unsere noch unreifen Anteile) ist nun zur Mauer geworden. Wir haben Türme gebaut, die dem Licht standhalten. In diesem stabilen Zustand findet die Seele endlich die Ruhe – die Befriedung im Blick des Geistes.
- Einen Wingert hatte Schlomo in Baal-Hamon, er übergab den Wingert den Hütern, - jedermann brächte für seine Frucht tausend Vollgewicht Silbers herbei. Den Wingert, der mir eignet, habe ich mir vom Antlitz, - dein, Schlomo, seien die tausend und der Fruchthüter zweihundert.« - Die du in den Gärten verweilst, Gefährten lauschen deiner Stimme, lasse mich hören! - Flieh herzu, mein Minner, gleiche du der Gazelle oder dem Hirschböcklein - über die Berge der Balsame!
Arcanum Transformation
Die **Souveränität des eigenen Wingerts**. Wir lassen die Hüter und das fremde Silber (die fremden Meinungen) hinter uns. Unser Wingert ist uns "vom Antlitz" – direkt gegeben. Die Aufforderung "Flieh herzu!" ist der ewige Tanz der Einheit über den Gipfeln der Balsamberge. Das Werk ist vollbracht.
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