Spirituelle Substanz

und ihre symbolische Darstellung

von Rabbi Yitzhak Luria - ARI

1. Teil

1) Es gibt keine in der Welt existierende Substanz, ob es etwas durch die Sinne Erfahrbare ist, oder etwas, das wir durch den Verstand wahrnehmen, die nicht im Schöpfer enthalten ist. Alles strömt von Ihm aus. Folglich sind unser widersprüchliches Denken und unbekannte Substanzen auch in Ihm, jedoch in einer vereinheitlichten Substanz.

Zum Beispiel: Wir unterscheiden die Weisheit als eine Substanz, die von einer wohlschmeckenden Substanz völlig verschieden ist. In dem Unterschied dessen, das als süß existiert zu jenem, das als bitter existiert, empfinden wir sogar eine noch größere Verschiedenartigkeit. Ebenso erkennen wir eine Differenz bezüglich dem Ausführenden einer Tat, und der Tat an sich. Genauso ist es mit unseren Sinnen, oder den geistig wahrnehmbaren Fähigkeiten, jede Substanz, jeder Geschmack ist einzigartig und im Aussehen und in seiner Eigenschaften absolut unterschiedlich.

Eine solche Unterscheidung der Substanz ist im Ursprung, dem Schöpfer, der die Quelle aller Substanzen ist, nicht wahrnehmbar. Weisheit, Süße, Bitterkeit, Täter oder Tat, jede Verschiedenartigkeit wird im Ursprung zu einem absoluten und unbestimmten Maß vereinheitlicht, welches über der menschlichen Wahrnehmungsfähigkeit liegt. Alles ist als Einheit in Seinem Einfachen Licht beinhaltet, mit keiner Differenzierung, was auch immer erkennbar ist.

2) Die führenden weisen Kabbalisten sagen uns, dass wir dies als "Echad, Yachid, Myuchad" verstehen können, was "Eins, Einzig, Alleinig" heißt.

"Echad" besagt, dass der Schöpfer überall in allen Welten gleichmäßig anwesend ist. "Yachid" bedeutet, dass alles von Ihm abgeleitet wird, obwohl um uns eine Vielfältigkeit der Fülle, in Ihm, im Ursprung erscheinen, ist alles eine Einheit, selbst Seine Substanz an sich. Alle Fülle entspringt dem einen Ursprung, in dem keine Unterschiede wahrnehmbar sind. Daher kann der Himmlische Überfluss Seiner Quelle nicht definiert werden.

"Myuchad" bezeichnet, dass, obgleich in der Schöpfung vielfältige Handlungen durchgeführt werden, die Eine Energie alles ausführt. Schließlich kehren diese vielfältigen Handlungen zu den vereinigenden Phasen zurück, was sie in Seine Einheit einhüllt. Die Handlungen, die vorher als vielfältig wahrnehmbar waren, sind nun in Einheit verflochten. Myuchad betont auch die Ethik, dass alle Taten und Bemühungen des Menschen in dieser Welt, dem Einen gewidmet sein sollten. So wie die Weisen es ausdrücken: "Glücklich ist jener, der sich mit der Torah beschäftigt und Seinem Erschaffer Zufriedenheit schenkt." Das heißt in anderen Worten, dass die Tätigkeit des Lernens der Torah, das wichtigste Gebot ist, das es zu erfüllen gilt, was jedoch unvollständig und nicht annehmbar ist, bis es durch Liebe des Schöpfers und des Wunsches Freude zurückzugeben motiviert ist. Weder um das Ego zu Vergrößern; noch um Kapital zu gewinnen; auch nicht für irgend einen selbstsüchtigen Zweck darf die Torah studiert werden. Die Weisen decken das wahre Ziel des Torah Studiums auf, indem sie sagen, dass es dafür da ist, "um Seinem Erschaffer Zufriedenheit zu schenken."

Aber dieses ist ein sehr subtiler Materie, die nicht alle verstehen können. Die identische Erklärung von "Echad, Yachid, Myuchad" wird durch den Kabbalisten Nachminides Ramban in seinem Kommentar zum "Sefer Yetzira" Kapitel I, Abschnitt 7 gegeben. Der gleiche Gedanke wird auch von Maimonides (Rambam) in den Wörtern ausgedrückt: "Er weiß, dass Er Das ist, Was gewusst wird, und Er ist das Wissen."

Der Schöpfer ist Selbst das Wissen, der Vorgang des etwas Wissens, und das, was gewusst wird. Sein Wissen besteht nicht in der Tatsache, dass Er seine Gedanken auf Dinge ohne Sich richtet, denn, indem Er Sich begreift und kennt, begreift und kennt Er alles was existiert. Es gibt nichts, das nicht mit Ihm vereinigt ist und das Er nicht in Seiner eigenen Substanz findet. Er ist der Archetypus aller existierenden Dinge, und alle Dinge existieren in Ihm, in ihrer reinsten und vollkommensten Form; so dass die Vervollkommnung der Geschöpfe aus der Unterstützung besteht, der zufolge sie mit der ursprünglichen Quelle Seiner Existenz vereinigt werden, und sie sinken nach unten und fallen von der vollkommenen und erhabenen Position, im Verhältnis zu der Trennung von Ihm.

3) Die Bibel vergleicht eine Person mit einem Baum in einem Feld, sie macht aus dem Baum und seiner Wurzel eine Analogie zum menschlichen Wesen und seiner Herkunft. Daraus können wir wichtige Ableitungen heranziehen.

Wir wissen, dass ein Baum sich aus einer Wurzel, einem Stamm, Zweigen und einer Frucht zusammensetzt, und dass dies alles, aus der Wurzel kommt. Doch in der Wurzel selbst können wir diese unterschiedlichen Elemente nicht unterscheiden und feststellen. Wir wissen unbestreitbar, dass sie alle aus der Wurzel entspringen, dennoch zeigt die Wurzel kein Zeichen seiner zukünftigen Entwicklung in einen vollständigen Baum.

Auf die gleiche Weise müssen wir das menschliche Wesen mit seiner göttlichen Seele betrachten, das weit entfernt von der Wurzel, seiner Herkunft, ausgesendet wird. Während der Periode, in der die Seele in ihrem Ursprung verweilt, ist sie im Heiligen Ort des Schöpfers, wo sie ihren vollen Anteil an Lebenskraft empfängt. Wenn es bestimmt ist erschaffen zu werden, erscheint sie als menschliches Wesen, in einem irdischen Körper. Dieses körperliche Gewand kleidet die Seele, die zufrieden ist, an ihrem weltlichen Aufenthaltsort zu bleiben, um das Leben zu genießen, und materielle Lebenskraft aus der irdischen Welt zu entnehmen, während sie auch spirituelle Lebensenergie, aus ihrer Wurzel, dem Ursprung aller Wesen, bezieht.

4) Lassen Sie uns versuchen, die spirituelle Substanz zu begreifen. Als das Israelische Volk das Manna in der Wüste erhielt, war dies von spiritueller Essenz. Die Weisen erklären uns, dass Manna eine spirituelle Substanz war, die viele Geschmäcker besaß, oder, wie sie es berichten, enthielt es einen unterschiedlichen Geschmack, für jeden der teilhaftig wurde. Für einen war es bitter, für den folgenden war es süß. Wie kann man sich das vorstellen, dass eine Substanz gleichzeitig süß und bitter ist, und nebenbei noch viele andere Aromen besaß? Die einzige Antwort ist, dass Manna weder Farbe noch Geschmack hatte. Es war eine spirituelle Substanz, welche die Attribute annahm, die sie in Übereinstimmung mit dem Empfänger bekam. Bevor eine solche Lebensnahrung durch die Sinne oder Gefäße einer Person erkannt wird, ist sie immer noch wohlüberlegt in ihrem Ursprung zu betrachten. Wir haben bereits gesehen, dass sogar bei einem sinnlich greifbaren Ursprung, wie einer Wurzel, eine absolute und unergründliche Einheit existiert. Wie viel zutreffender ist dies dann für eine spirituelle Wurzel, in der es keine Spur irgendeiner Substanz gibt.

Stellen Sie sich zum Beispiel drei Nahrungsmittel wie Milch, Honig und Wein vor, die zusammen gemischt werden. Wie soll man solch eine Mischung einstufen? Es ist weder Milch, noch ist es Honig und auch kein Wein. Es ist eine Anhäufung von Substanzen, mit allen Unterschieden die ineinander vermischt sind, um ein vereinheitlichte Essenz zu bilden. So ist es auch in einer Wurzel, die eine einzelne Zusammensetzung darstellt, welche mehrere unterschiedliche Elemente der vollständig entwickelten Pflanze in sich einschließt. Erst nachdem die Möglichkeiten der Wurzel sich in der Wirklichkeit manifestieren, erkennen wir ihre verschiedenen Substanzen, mittels unserer Sinneswahrnehmungen.

Aus dem Vorangegangenen können wir zwei unterschiedliche Perioden für jede spirituelle Substanz folgern. Erstens: Die Phase während sie noch mit dem Schöpfer in seinem Himmlischen Aufenthaltsort ist, in dem sie sich in ihrer unveränderlichen beständigen Einfachheit befindet, und jenseits der Grenzen der menschlichen Wahrnehmung hinaus besteht (sogar unzugänglich für irgendein Gefäß der spirituellen Substanz). Hier ist die Substanz frei von jeder Klassifikation, obwohl sie den vielfältigen Geschmack, die Farben, die Formen, etc. enthält, die zu dem menschlich Erfahrbaren zählen. Zweitens: Die Phase wenn sie sich dem menschlichen Gefäß annähert, und der Himmlische Glanz mit einem begrenzten, irdischen Gewand bekleidet wird, dem für sie bestimmten Körper, durch den sie ausgeformte Eigenschaften erweckt, entsprechend der Prägung der ihr vom Körper aufgedrückt wird.

In dieser Weise müssen wir die eindeutigen Qualifikationen der zwei aufeinanderfolgenden Perioden der spirituellen Substanz im Gedächtnis behalten. Die folgende Veranschaulichung kann mit größerer Lebendigkeit die Eigenschaften der spirituellen Substanz vermitteln.

Wasser hat weder Farbe noch Form. In einer roten Schüssel, sieht das Wasser rot aus. Schüttet man es in einen dreieckigen Behälter, wird das Wasser dreieckig; in einer runden Schüssel wird seine Form auch rund. Auf diese Weise nimmt das Wasser, obwohl wir wissen, dass es außerhalb eines Gefäßes einfach, und ohne Farbe oder Form ist, die Farbe und die Form jedes möglichen Behälters an, in das es gegossen wird. So ist auch die spirituelle Substanz, bevor sie den irdischen Aufenthaltsort betritt, den menschlichen Körper, einfach und nicht wahrnehmbar. Wenn sie in Kontakt mit dem menschlichen Körper kommt, formt dieser den Geist entsprechend seinem eigenen individuellen Charakter.

5) Um ein zutreffendes Konzept der spirituellen Substanz zu erreichen, muss sich der Mensch zuerst von vielen falschen Auffassungen reinigen. Er muss die erhabene Wahrheit bezüglich des Spirituellen suchen, die in der Literatur der Kabbala enthalten ist. Durch eine solche Anleitung sowie einer begleitenden umwandelnden Formung seines Verhaltens, kann der Mensch von seinem geringen, irdischen Horizont zu einem erhöhten Reich des spirituellen Wahrnehmens, zur Welt des Spirituellen, umgepflanzt werden.

Dann beginnt der Mensch innerhalb sich selbst eine Essenz zu erkennen, die eins mit der Höchsten Substanz ist, und von dieser Ebene aus, ist er von der Anziehung dieser irdischen Welt der Sinne befreit. Auf diesem herrlichen spirituellen Niveau empfindet der Mensch die materielle weltliche Substanz, im Vergleich mit der spirituellen Substanz, als außerordentlich bedeutungslos.

6) Da wir betont haben, dass die spirituelle Substanz nicht wahrnehmbar und undefinierbar ist, solange sie in ihrer Himmlischen Quelle verweilt, sollten wir jetzt versuchen, die spirituelle Instanz zu erkennen, welche die menschliche Seele ist.

Die Seele wird in fünf unterschiedliche Stufen unterteilt, eine Übergeordneter zur anderen, aber daran werden wir in späteren Kapiteln noch arbeiten. Lassen Sie uns jetzt nur von dem Teil der menschlichen Seele sprechen, die im Himmlischen Busen wohnt.

Die Weisen machen geltend, dass die Seele ein "Teil G-ttes" ist, und dass er identisch mit dem "Ganzen", dem "Schöpfer," oder dem "Universellen Geist" sei. Der einzige Unterschied bestehe darin, dass die Seele ein Teil ist, während G-tt der Vollständige, das Ganze, die Universelle Seele ist.

Sie vereinfachen für uns das Verhältnis von G-tt und der Seele, indem sie das Beispiel eines Berges und eines Steins, der aus dem Berg gehauen ist, zitieren. Sie sagen, dass es jedoch einen unterschiedlichen Punkt zwischen dem Berg und dem Stein gibt. Der Stein ist nur ein Teil des Berges, während der Berg das Ganze ist.

7) Dies bringt uns zu der Frage, wie wir weltliche Eigenschaften mit den himmlischen Eigenschaften vergleichen können. Wir berücksichtigen die Tatsache, dass Materie geteilt werden kann, indem man sie zum Beispiel bearbeitet, zerhackt, zerschneidet; durch den Gebrauch einer Axt, eines Hammers, des Messers oder irgendeines ähnlichen Instrumentes. Aber wie können wir spirituelle Instanzen voneinander trennen? Durch welches Mittel, Werkzeug, oder Laborinstrument können spirituelle Objekte unterteilt und unterschieden werden, um den Schöpfer oder die Universelle Seele als Ganzes, und die Seele als Teil auszudrücken?

Wir sollten versuchen, dieses ernste spirituelle Problem, was uns von den Heiligen Weisen vorgeschlagen wird, zu analysieren, damit wir ein konkretes Wissen der Beschaffenheit der spirituellen Unterteilungen gewinnen können, und die grundlegende Ursache der Trennung der menschlichen Seele von ihrem Ursprung aufdecken können.

Um die Seele wirklich zu verstehen, müssen wir zuerst die Art und Weise studieren in der die Unterteilung der spirituellen Substanz stattfindet, obwohl sie im Ursprung unteilbar ist.

Bedenken Sie, dass die spirituelle Substanz nur durch den Prozess der Umwandlung geteilt wird. Zum Beispiel, wenn eine spirituelle Substanz zwei Phasen erwirbt, dann wird diese außergewöhnliche Substanz bereits als zwei, anstelle von einer, angesehen. Wir berücksichtigen das Naturgesetz der Seele, dass sie nicht wahrnehmbar, unveränderlich, und folglich unteilbar ist. Dennoch wissen wir, dass es zahlreiche Ungehobelte Geister gibt, da sie ja in ihrer Anzahl den Körpern gleich sind, in denen sie verweilen und, in welchen sie ihr spirituelles Licht ausstrahlen. Schließlich müssen wir feststellen, dass die Ursache ihrer Vielheit die Transformation ist, die durch die getrennten menschlichen Körper verursacht wird. Wie die Weisen es ausgedrückt haben: "So mannigfaltig die Gesichter der Menschheit sind, so facettenreich ist ihr Denkvermögen; eines unterscheidet sich von dem anderen."

8) Folglich schließen wir daraus, dass der menschliche Körper die Natur der Geistes ausdrückt und entweder eine gute oder böse Person offenbart, und alle unterschiedlichen Arten von Persönlichkeiten, die überhaupt vorstellbar sind. Wenn wir von einer Person sprechen, die böse ist, denken wir an einen mangelhaften Geist in ihm. Obgleich dies zutreffend ist, muss daran erinnert werden, dass der Geist selbst, entsprechend eines fehlerhaften Körpers geformt wird, da der Geist, gemäß dem Körper geformt wird, in dem er verbleibt, und an sich absolut fehlerlos ist, wie oben erwähnt wurde.

Die Transformation oder die Verschiedenartigkeit der Phasen des Geistes, verursacht durch den menschlichen Körper, ergibt die Teilung der Geister. Sowie das Maß der Entferntheit von einem Geist zu seinem benachbarten Geist, dem Grad ihrer Unterschiedlichkeit entspricht. Wir kennen den Unterschied bezüglich der Wesensart eines Heiligen und eines boshaften Menschen; wir folgern dann daraus, dass diese zwei Geister wegen des Unterschiedes bezüglich ihrer Charakteranlagen voneinander getrennt seien, und dass sie sich an zwei gegenüberliegenden Polen befänden. Andere Menschen, so folgern wir, die sich wünschen mehr oder weniger ‚zu geben', obgleich sie auch voneinander variieren, besäßen relative Tendenzen der Seelenverwandtschaft, und folglich sei der Abstand zwischen ihnen nicht so groß, als die grenzenlose Kluft, die zwischen dem Heiligen und dem Bösen existiere.

9) Sprechen wir deutlich: Es ist so, dass unsere Schlussfolgerung, dass die spirituelle Substanz durch Umwandlung oder eine Unterschiedlichkeit der Phase getrennt wird, nur auf sehr grobe Geister zutrifft, die sich sofort an den Körper binden. Wie können wir denn das Problem der Abspaltung von G-tt lösen, dessen, was wir "die Seele" nennen? Von dem, der das höchste Niveau des Seins ist, und dem Universellen Geist entspricht, oder dem Schöpfer? Die Weisen wissen, dass diese Seele ein eindeutiger Teil G-ttes ist, während sie noch in ihrer Himmlischen Region verbleibt.

Das Rätsel ist doch: In welcher Weise wird diese Seele unterschieden und bestimmt, damit wir sie als einen Teil G-ttes erkennen? Durch welchen Unterschied oder welches Attribut ist sie unterscheidbar, damit wir sie "Seele" nennen, und sie als getrennt vom Ganzen oder vom Ursprung betrachten?

Wir wagen uns nicht daran zu denken, dass eine Umformung oder eine Vielfalt von Phasen in der Seele stattfanden, oder dass irgendein Ereignis im Himmlischen Aufenthaltsort auftrat, um die Seele mit einer unterschiedlichen Qualität zu prägen. Wir haben bereits den Grundsatz festgestellt, dass die Seelen, während sie in ihrem Himmlischen Wohnort verweilen, im Ursprung, der Quelle, unbestimmt sind, und für die Quelle als Einfach, Fein und Ruhig, bar aller Farben und Geschmäcker, bestehen. Was ein Wissen bezüglich des Aufenthaltes der Seele im Himmlischen Pleroma anbetrifft, so ist dies unmöglich zu erlangen, denn es steht uns bis jetzt kein Mittel zur Verfügung, mit der wir sie dort wahrnehmen könnten.

In einer vorhergehenden Erörterung haben wir festgestellt, dass sogar das Manna in der Wüste nicht wahrnehmbar war, bevor es den menschlichen Körper betrat. Es muss also bedacht werden, dass, obgleich die Substanz der Seelen noch in ihrem Ursprung besteht, bevor sie in unmittelbaren Kontakt mit den Körpern kommt, "einfach", sowie dennoch "einschließend" ist, und von den vielfältigen Phasen und von den Qualitäten zusammengesetzt wird. Der Geist ist eine absolute Einheit, während er in seinem Ursprung ist, wie wir vorher bereits erwähnt haben, als wir von G-tt sprachen und sagten, dass "Er in allen Welten gleichmäßig anwesend ist." Alle Substanzen kommen aus einem Ursprung, und alle Energien; mögliche und tatsächliche, hängen mit dem Einen, dem Schöpfer zusammen.

10) Mit welchen Mitteln der Forschung unterscheiden die Weisen die Seele die einmal in Einheit mit G-tt war, jedoch später von Ihm getrennt wurde und dann als eine Form mit bestimmten Qualitäten identifizierbar wird?

Was veranlasst die Seele, von ihrem Ursprung getrennt zu werden? Was zwang sie, ihre Quelle zu verlassen, um innerhalb des Bereiches der menschlichen Analyse zu kommen, als einzelne Instanz, die den hauch der Spekulation umhüllt, und sich einem denkbar dienlichen Experiment unterzieht?

Es muss bedacht werden, dass, wenn die Seele eine neue Form annimmt und den Namen der "Seele" trägt, sie bestimmte Qualitäten besitzt, die sie vom Ursprung entfremdet. Wegen dieser besonderen Qualität wird die Seele als ein unterschiedlicher Teil von G-tt betrachtet. Gäbe es diese Unterscheidung nicht, würde die Seele mit G-tt selbst identisch bleiben, da sie ja dann noch im Busen des Himmlischen Heiligtums verweilt.

Um dies klar zu verstehen, müssen wir uns eingehend mit der unergründlichen Tiefe der göttlichen Weisheit befassen, um die bis jetzt unentdeckten Edelsteine in den Ideen der Schöpfung, mit ihrer herrlichen, erhabenen Absicht zu entdecken.

11) Lassen Sie uns an diesem Punkt etwas ausführlicher das Thema des Schöpfers und der Schöpfung untersuchen. Entdecken wir gemeinsam das Ziel, welches der Schöpfer erfüllt und Ihn dazu veranlasst, die irdische Welt in das Sein zu bringen? Es ist selbstverständlich, dass keine Tat überhaupt durchgeführt wird, selbst durch ein begrenzt bewusstes Wesen, ohne einen Beweggrund oder einen definitiven Zweck, der die Veranlassung der Tatkraft ist. Unsere hauptsächliche Bemühung muss dann als erstes sein, der tatsächlichen Zielsetzung des Schöpfers, den Grund weshalb diese Welt erschaffen wurde, gewahr zu werden. Wir müssen die Ursache dafür suchen, weshalb es himmlische oder spirituelle Welten, sowie eine irdische oder materielle Welt gibt, zusammen mit allem was sie enthalten. Die Frage wird von den Weisen im "Sohar," behandelt, wo die Lösung in der folgenden einfachen und wahren Antwort enthüllt wird: "Da der Schöpfer die schon oft erwähnte Eigenschaft der ‚alles umfassenden Güte' hat, erschuf Er diese irdische Welt mit ihren menschlichen Bewohnern, damit Er ihnen seine endlose Liebe und Fülle schenken konnte."

Der Sohar fährt fort zu fragen: "Wenn G-tt wünschte, seine Fülle der Menschheit zu schenken, warum warf Er die vortrefflichen und göttlichen Seelen auf diese weltliche Ebene, in Körper die aus Lehm geschaffen sind, in denen sie leid und Versuchungen erleiden, sowie die Prüfungen der bösen Geister, die der materielle Körper der Seele zufügt? Er hätte sie eher in Seinen Himmlischen Bereichen behalten sollen, wo alle Geister im Paradies frohlocken, in dem sie die unaussprechliche Güte des Göttlichen Glanzes verdienen, die ihnen allen geschenkt wird."

In präzisen aber einfachen Erklärungen antwortet darauf der Sohar, dass "die natürliche Konsequenz des Essens, von unverdientem Brot, des Empfangens von Etwas, was man nicht durch eigene Arbeit und Bemühungen erzielt hat, Verlegenheit und Scham ist." In der Terminologie des Sohar heißt es: "Er isst das Brot der Schande." Um von den Empfängern den Makel der Schande zu tilgen, welcher nach ihrem "Essen von unverdientem Brot" anwesend ist, erschuf G-tt diese Welt, und bevölkerte sie mit irdischen Körpern, mit deren Hilfe die Seele arbeiten und kämpfen muss. Durch Gebet, göttliche Anbetung, lernen der Torah und das Bewahren ihrer lehren, Gesetzen und ihrer Ethik, wird das Ziel der Reinigung und heiligkeit erreicht. Nachdem die notwendige Menge an leistung verrichtet ist, schenkt G-tt das unbeschreibliche Himmlische Licht der hingebungsvollen Seele, während sie noch auf der Erde weilt, - und es wird keine Schande mehr gefühlt werden.

Der Empfänger dieser Fülle erfährt die allumfassende Güte und die Vollkommenheit seines Schöpfers und kennt außerdem die Freude und die Zufriedenheit, die der erfolgreichen Vollendung der anspruchsvollen Arbeit folgt.

Über diese Lösung des Sohar reflektierend, stellen wir fest, dass die Arbeit, die in das Studium der Torah und in die Befolgung aller lehren und Gebote eingesetzt wird, noch nicht mit der endlosen Belohnung der Himmlischen Freigiebigkeit, die dem Individuum geschenkt wird, gleich zu bewerten ist. Wie kann eine lebenszeit der Arbeit die Belohnung des ewigen Glückes ausgleichen? Betrachten Sie folgendes Beispiel einer wohlhabenden Person, die einen Mann bat, eine bestimmte manuelle Aufgabe für eine Stunde pro Tag durchzuführen, und die den Arbeiter für diese eine Stunde mit einer übertriebenen Menge Geld honorierte, einer Vergütung, die weit über dem Wert der geleisteten Arbeit lag.

12) Um die Antwort des Sohar zu verstehen, dass die Seele, indem sie in diese irdische Gruft gesteckt wurde, die der menschliche Körper ist, und durch die leistung aller religiösen Aufgaben, die unbegrenzten himmlischen Belohnungen verdiene, müssen wir mit der Diskussion und der Analyse der Form und Funktion des Göttlichen "Gedankens" beginnen, der das Universum, die Himmlischen und terrestrischen Welten erschuf.

Es ist offensichtlich, dass der Vollendung dieser gesamten Schöpfung nur ein einzelner Gedanke vorangegangen war, und nicht eine Menge "Gedanken" des Schöpfers, wie es der fall wäre, wenn ein begrenztes menschliches Wesen ein haus oder eine ähnliche Einrichtung errichten sollte. Das wesentliche Attribut des Schöpfers ist, wie bereits vorher erwähnt wurde: "Echad, Yachid, Myuchad", absolute Einheit in jedem Detail.

So wie die Eigenschaft des Schöpfers absolute Einfachheit und Schlichtheit ist, ist es auch mit den Himmlischen Lichtern, die von Ihm ausströmen. Sie sind ruhig, fein, eben und einfach, wie ihre Quelle, das Unbegrenzte.

Infolgedessen decken die Ausstrahlungen ihrem Schöpfer keine zusätzlichen Merkmale oder Verschiedenartigkeiten auf, noch haben sie irgendwelche eindeutigen phasen, durch die sie als spirituelle Instanzen definiert werden können. Daraus können wir die Tatsache ableiten, dass alle Namen und Benennungen, alle Himmlischen und irdischen Welten, ein einfaches Himmlisches licht sind, wie in der Beschreibung "Echad, Yachid, Myuchad" wiederholt wird. Dass wirklich alle Enthüllungen nur ein Himmlisches licht sind, wird in dem Verhältnis des Schöpfers zu jeder einzelnen und allen Ausstrahlungen gesehen.

Zum Beispiel sind die Ausströmung des Himmlischen lichtes, der Gedanke der Schöpfung, die Tat der Schöpfung, der Ausführende dieser Tat, alle diese Komponenten eine und die selbe Sache, während dieser Ausfluss noch innerhalb der Grenzen des Schöpfers bleibt. Wir müssen die grundlegende lehre im Hinterkopf behalten, dass mit einem "Gedanken" des Schöpfers, alles Existierende ausgestrahlt und erschaffen wurde, die höheren Welten in Verbindung mit den unteren Welten, einschließlich der evolutionären prozesse der Entwicklung, welche die Schöpfung ständig durchmacht, bis alle Aufgaben ihre abschließende Beendigung finden; dann ist ‚Gmar Tikun' erreicht, das Ende der Korrekturzeit. Dieses ist das wirkliche ziel, in dessen Richtung alles strebt.

Demnach ist dieser einzigartige Gedanke des Schöpfers tatsächlich: a) der Ausführende von Allem; b) die Substanz aller Handlungen; c) die Mühe und die Anstrengung; d) der Vollender des ziels; e) die Vervollkommnung und die volle Belohnung welche die Geschöpfe erwartet. Dies alles wird aus den Wörter "Echad, Yachid, Myochad" des berühmten Weisen Nachmanides gedeutet. (siehe oben)

13) In den einführenden Kapiteln zum "Baum des lebens" hat Rabbi Isaac Luria das Thema bezüglich der ersten Einschränkung (Tzimtzum) sorgfältig ausgearbeitet, das eines der subtilsten und schwierigsten Themen der Kabbala ist.

Er erklärt, dass wegen der Einschränkung oder Zusammenziehung, alle Welten aufgedeckt wurden. So werden wir geleitet festzustellen, dass die verschiedenen phasen des Bösen auch das Resultat der Einschränkung waren, und dass sie mit dem Schöpfer entstehen, wie wir durch die Wörter des Propheten erklärt bekommen: "Er bildet das licht und Er erschafft die Dunkelheit."

14) An diesem punkt müssen wir jedoch die Tatsache hervorheben, dass Böses und Dunkelheit vollständig gegensätzliche faktoren gegenüber der Göttlichkeit darstellen. Daraus ergibt sich folgende Frage: Wie kann das Böse vom Schöpfer hervorgerufen werden? Wie können Verfall und Dunkelheit hand in hand mit licht und Glückseeligkeit vorkommen, und alles stammt aus der Essenz, dem Wesentlichen des Gedankens der Schöpfung? Wir dürfen uns auch nicht nur während eines Momentes vorstellen, dass es zwei unterschiedliche Gedanken in der Schöpfung geben könnte: - einen Gedanke des lichtes und einen Gedanke der Dunkelheit. In welcher Weise ist dann diese Dunkelheit Ihm zuzuschreiben? Diese Dunkelheit, welche die Quelle aller Abstufungen der Verdorbenheit und des Übels ist, das in dieser irdischen Sphäre existiert. Wie können die zwei gegenüberliegenden polaritäten, licht und Dunkelheit, oder Gut und Böse, in einem einzigen Gedanken der Schöpfung zusammen sein?

15) Wir können das problem erklären, indem wir die Natur des Gedankens der Schöpfung überprüfen. Wir wissen, dass das abschließende Resultat jeder möglicher Handlung, schon in der ersten Betrachtung oder dem ersten Gedanken dieser Tat anwesend ist. Diese Grundregel trifft nicht nur auf den Gedanken der Schöpfung zu, sondern auch auf die menschlichen Gedanken. Eine Menge von Gedanken können in die Vollendung jeder möglichen Tat münden, jedoch ist der Ablauf aller dieser Gedanken, bereits im aller ersten Gedanken vorhanden, genau wie das abschließende Ende schon darin anwesend ist. Zum Beispiel wenn man ein haus plant, ist der erste Gedanke das Bild von der fertigen, kompletten Struktur. Jedoch bevor dies erreicht wird, müssen viele Details bedacht und ausgeführt werden. Das fertige haus folgt erst nach vielen Gedanken und vielen Tätigkeiten. Deshalb sagen wir, dass die abschließende Handlung im ersten Gedanken anwesend ist. Der Gedanke der Schöpfung ist die Menschheit zu beschenken. Der letzte Akt in diesem Gedanke ist die Erschaffung des Menschen, der bereit ist, dieses Geschenk zu empfangen.

Uns wird die einfache, grundlegende Vorstellung gelehrt, dass durch den Gedanken G-ttes, alleine durch Ihn, alles erschaffen und zur Vollendung gebracht wird. G-tt ist nicht wie das menschliche Wesen, das gegenwärtige hilfsmittel und Instrumente verwenden muss, um seine Handlungen und pläne zu verwirklichen. Sein Gedanke Selbst genügt, alle Taten blitzschnell durchzuführen. Folglich können wir verstehen, dass sobald G-tt an den plan der Erschaffung des Universums und an Sein ziel, die Menschheit mit ewiger freude und Güte zu beehren dachte, sofort ein licht von Ihm ausströmte und sich ausdehnte. Dieses licht war die Umhüllung von alles, einschließlich des gesamten Universums mit allen seinen Geschöpfen und seinen funktionen, seiner vollen Größe, Schönheit und Gestalt, sowie die fülle, die Er erwog, über sie auszuschütten. Alles war in diesem Seinem einzigen Gedanken enthalten, den wir den "Schöpfungsgedanken" nennen. Behalten Sie sich diese Wahrheiten gut im Gedächtnis.

Als G-tt über die Schöpfung einer Welt nachdachte, die den ultimativen Sinn haben sollte, der Menschheit Seine Unendliche Güte zu schenken, dann waren in diesem besonderen Gedanken die Himmlischen Welten, mit allen ihren Engeln und Seelen, sowie die irdischen Welten, mit allen ihren Wesen und ihrem kompletten Anteil der fülle, beinhaltet.

16) Da wir uns jetzt bewusst sind, dass der hauptzweck der Schöpfung darin liegt, dass G-tt Seine Unaussprechliche Güte allen bewilligen konnte, können wir die Notwendigkeit des "Wunsches" verstehen, der dem licht innewohnend ist, der die gesamte Schöpfung, sofort nach seinem Umfang, festlegt. Dieser Wunsch ist "ein Wille zu empfangen". Er stellt das Gefäß, sowie das genaue Maß für die Freigiebigkeit dar, die empfangen werden soll. In anderen Worten, entspricht die Menge des lichtes ganz exakt dem Anteil dieses "Willens", - G-tt bringt nicht mehr licht in eine spirituelles Wesen als der tatsächlicher Wunsch es fordert. Das Maß des Wunsches soll erfüllt werden, nicht mehr und nicht weniger. Würde G-tt mehr licht zuteilen als es der "Wunsch" ist, würde dieses nicht als eine Verleihung Seiner Unendlichen liebe und Seiner fülle gelten.

Wir benennen "den Willen zu empfangen", der notwendigerweise im licht implantiert ist (und in jedem erschaffenen Ding) wegen des Gedankens G-ttes jedem die fülle zu bringen, ein "Gefäß", ein "Empfänger" oder ein "Träger" dieses lichtes. Wie vorher bereits erwähnt, stimmt die Ausdehnung des lichtes mit den Ausmaßen des Gefäßes überein.

Wenn wir von einer person sprechen, die eine große Menge Nahrung zu sich nimmt, oder von einer anderen person reden, die mit weniger zufrieden ist, denken wir nicht an die Größe ihrer jeweiligen Körper, sondern an die Größe ihres Appetits. Tatsächlich sehen wir häufig beleibte personen, die wenig essen, und schlanke, feine personen, die viel essen. Also ist es für uns naturgemäß festzustellen, dass der Empfänger der Nahrung einer person nicht sein Körper ist, sondern sein "Wille zu empfangen" oder "Ratzon Lekabel", der das tatsächliche Gefäß, auch einer materiellen Ernährung ist.

So ist es selbstverständlich, dass die Kapazität für das Empfangen der materiellen Nahrung vom Ausmaß des Appetits abhängt. Genau so ist es mit der spirituellen Freigiebigkeit, bei der ‚der Wille zu empfangen' das genaue Maß des lichtes ist, und er ist es, entsprechend der Intensität oder dem Maß des Willens, der von seiner Quelle, dem Schöpfer zugeteilt wird. Folglich ist der Wille der Träger für das licht.

17) Nun sind wir vorbereitet, etwas ausführlicher das Thema der Seele zu behandeln. Wie vorher von den Weisen zitiert, ist die menschliche Seele ein Teil von G-tt. Mit welchen Mitteln unterscheidet sich dann die Seele, als Geist, vom Schöpfer oder von Seinem einfachen, feinen licht, auch Geist, damit sie vom Ursprünglichen einfachen licht getrennt wird, das als das Ganze oder der All-Umfassenden Geist bekannt ist?

Wenn wir uns tief auf die Seele als einen Teil besinnen, und das Ebene licht als Ganzes, als Ursprung der Seele, sehen wir leicht die Wahrheit des Unterschiedes zwischen der Seele und seiner Quelle. In dem Teil, der vom Einfachen licht getrennt wird, fand eine wesentliche Änderung statt. Obgleich dem Schöpfer mehr endlose phasen und Attribute zueigen sind, als man sich vorzustellen vermag, finden wir doch einen punkt, der dem Schöpfer fehlt. Der Schöpfer enthält in Sich Selbst alle Schöpfungen und auch dasjenige, mit dem sie erfüllt werden. Jedoch haben Menschen eine Tendenz oder ein Merkmal, das G-tt nicht hat; es ist der Wille oder Wunsch, zu empfangen. Es ist ausschließlich die Natur des Menschen, denn von wem könnte G-tt etwas empfangen? Er ist die Quelle von allem. Doch hat Er die Seelen zu dem einem zweck erschaffen, ihnen die Himmlische fülle, den Überfluss einzuschenken, sie mit Trost, freude und frieden zu überfluten, und folglich werden sie abhängig und gebunden sich diese Geschenke zu wünschen, die Er anbietet. Sein einziger Gedanke, als Er sie erschuf, war, ihnen unendliches Glück und Wonne zu spenden.

Durch diese erneut entdeckte Tendenz ‚eines Wunsches zu empfangen', werden die Seelen vom Schöpfer getrennt. Wir haben vorher bereits gesagt, dass eine materielle Substanz durch Werkzeuge geteilt wird, und dass Teile von ihr getrennt werden, indem man sie auf unterschiedliche Orte verschiebt. Mit der spirituellen Substanz finden Aufteilung und Trennung nur durch entgegengesetzte phasen statt. Wir bezeichnen den Charakter des Geistes durch das Maß seines Wunsches, oder den potentiellen Willen zu empfangen. Entsprechend der Intensität "des Wunsches" mit welchem ein Wesen gefüllt wird, wird diese person vom Ursprung entfernt oder verschoben. Der Schöpfer beispielsweise ist lediglich ein Spender. Er gibt und gleicht aus, empfängt aber nichts zurück. Sein ist das Maß des vollkommenen Gebers.

Andererseits ist es unumgänglich, dass der Mensch eine Sehnsucht nach der Erfüllung seiner Bedürfnisse hat. Wenn der Wunsch oder ‚der Wille zu empfangen' normal und ausgeglichen ist, ist alles gut, obwohl er unterschiedlich zum Ursprung ist. Obgleich die Neigung des sich Wünschens einen Einschnitt bedeutet, der das Wesen vom Ursprung trennt, bewegt es ihn nicht zu weit fort. Wenn jedoch übermäßige Begierde sich in den natürlichen Wunsch einschleicht, wird der Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf größer. Die habgier kann so zunehmen, dass sie ein Wesen vollständig vom Ursprung trennt. In diesem fall ist die Wesensart ganz und gar selbstzentriert und völlig unterschiedlich zum Schöpfer.

Wir müssen daran erinnern, dass der Schöpfer der Ursprung von alles ist, deshalb liegt es an Ihm, ob die fülle und die Nahrung entstehen. Wenn die Trennung vom Schöpfer nicht vollständig ist, erlaubt der bestehende Teil der Übereinstimmung mit G-tt, dem Wesen mit Ihm zu kommunizieren und spirituelle Nahrung zu erhalten. Ist das Wesen zu dem Ursprung völlig verschieden, dann gilt es als getrennt oder unstimmig, und der Abgrund von Begehrlichkeit verhindert jedes mögliche Fließen von Nahrung aus der Quelle, der Wurzel. Solch eine Instanz wird als absolut fremd, und zum Ursprung in Disharmonie stehend, betrachtet.

2. Teil

18) Wir sollten nun ein klares Konzept der Abstammung des Bösen und des Verfalls haben. Der Keim davon existiert im "Schöpfungsgedanken", obwohl in diesem Gedanke nur gutes wohnt, und sein Wesentliches dazu dient, die Menschheit zu beschenken.

Wir kommen nun zum Thema der Geburt der fünf Welten, welche "A'K und ABYA" genannt werden, oder:

(1) Adam Kadmon
(2) Atzilut
(3) Briah
(4) Yetzira
(5) Asiya

Es existiert ebenso eine Manifestation von "Hüllen" oder unreinen Geistern. In den Welten von "ABYA den Unreinen" sehen wir das Entgegengesetzte als in "ABYA den heiligen", da es wie gesagt G-tt ist, der die helligkeit und die Dunkelheit, den guten Geist und den gegenübstehenden bösen Geist, aussendet. Er erschuf die vier göttlichen Welten und die gegenüberliegenden Welten der unreinen Geister.

Während die Welten von ihrem Ursprung herabstiegen, wurde die Geister in ihnen immer gröber, bis die letzten groben Geistern, die man das "Böse" nennt, aufgedeckt wurden. Dieser prozess setzte sich bis zu der Enthüllung des irdischen Körpers, der aus fleisch und Blut zusammengesetzt ist, fort. zu diesem hat der böse Geist zugriff und er kann auf seinen Willen der Begierde Einfluss nehmen, der, wenn er nicht kontrolliert und auf seine normale proportion gezügelt wird, sich in das Extreme entwickeln kann. Extreme Gier oder Übel wird Hülle oder Schale genannt.

Je niedriger der Geist herabgestiegen ist, desto weiter befindet er sich von seinem Ursprung entfernt, und desto weniger hat er mit seiner Wurzel gemeinsam. Die Kluft zwischen ihnen wächst an.

So wie ein Messer oder eine Klinge das passende Werkzeug ist, mit dem man materielle Substanz teilt, so ist die "Empfangsbereitschaft" das einzige hilfsmittel mit dem man spirituelle Substanz teilen kann. Diese "Empfangsbereitschaft" ist "der Wunsch zu empfangen", das genau Entgegengesetzte des aktiven "Wunsches zu schenken" des Schöpfers, um die fülle und Güte auszuteilen, und folglich ist es die Empfangsbereitschaft, welche die Seele vom Schöpfer, dem Ganzen trennt.

Dieses wird mit einer parabel der Weisen ausgedrückt, die lautet: "Die Begierde des menschlichen Herzens ist von seiner Jugend an schlecht".

Der hauptsächliche Charakter der schlechten Geister in unserem täglichen leben ist ‚ihr Wille zu empfangen', ihre Begierde. Diese Geister, die das leben unserer Körper unterstützen, besitzen nicht den geringsten Wunsch altruistisch zu sein, sie sind jedoch ganz im Gegenteil, von einer großen Intensität mit Egoismus besetzt. Aus diesem Grund befinden wir uns in Opposition zu unserem Schöpfer, der absolut keinen Willen hat, irgendetwas zu empfangen.

Der böse Geist, oder die, die vom bösen Geist besessen sind, werden folglich "sterblich" genannt, da ihre phasen von denen des Wesentlichen lebens pervertiert sind. Da sie zu G-tt negativ stehen, der das "Ewige leben" ist", finden sie sich getrennt von Ihm und können nicht einmal einen partikel der Göttlichen Substanz empfangen, welche direkt vom Ursprung des lebens fließt. Der "Wille" des Menschen ist ständig empfänglich und bereit etwas zu erfassen und zu begreifen, um sich die ganze Welt in seinen Bauch einzuverleiben. Aus diesem Grund werden die bösen Menschen von den Weisen als "sterblich" oder "tot" bezeichnet, sogar während sie noch lebendig sind. Ihr pervertierter Wille, der sich konträr zum Ursprung verhält, und in extremer Disharmonie zum Schöpfer steht, verursacht von Ihm getrennt zu werden.

Andererseits wird dieser Seele aufgetragen, ein wahrhaftiges leben zu leben, das sich zu dem Ort, an dem sie sich in Einheit mit G-tt begreift, würdevoll verhält, sowie die Nahrung der immerwährenden früchte G-ttes schmeckt, während sie dennoch in ihrem temporären, irdischen Aufenthaltsort verweilt.

Der böse Geist und das dämonische potential des Menschen können nur überwunden werden, wenn das Höhere licht in seiner Seele glänzt. Dann kann er sich von den irdischen Dingen loslösen und näher zu der Einheit des Schöpfers aufsteigen. Dieses Loslösen von den niedrigen Sehnsüchten und Tendenzen, in Richtung des Erhabenen und des Spirituellen ist ein Akt des Willen; er besteht daraus ‚den Willen um zu empfangen' (diesen finsteren, obskuren Schleier, der den Menschen von G-tt trennt), in ‚einen Willen um zu spenden', zu verwandeln. Der einzige neue faktor, der in der Schöpfung enthüllt wurde, und durch die Weisen als "das Bestehende aus Nicht-Bestehendem" betitelt wird, war der Wille um zu empfangen, den wir weiter oben bereits ausführlicher behandelt haben. Er ist in jedem erschaffenen Objekt, und nichts als dieser ‚Wille zu empfangen', der das Gefäß aller Substanzen ist, wurde als "das Bestehende vom Nicht-Bestehendem" in der Schöpfung enthüllt.

Nachmanides, der "Ramban", kommentiert die folgenden Wörter der heiligen Schriften: "Er bildet das licht und Er erschafft die Dunkelheit" was aussagt, dass das Wort "erschaffen" bedeutet, dass etwas neues entschleiert wird, ein Wesen, welches niemals zuvor existierte. Es wird nicht gesagt, dass "Er licht erschuf", weil in dieser Offenbarung nichts wirklich neues ist. Deshalb können wir nicht sagen, dass Er licht als "das Bestehende aus Nicht-Bestehendem" hervorbrachte.

"Licht" und die Gesamtheit, die in Ihm enthalten ist; alles was die Sinne wahrnehmen können, sowie alles, das der menschliche Intellekt von der gesamten Substanz der freude und des Vergnügens, die im Universum existieren, begreifen kann, wird als "das Bestehen aus Bestehendem" offenbart. Das heißt: "Das licht, Das präexistent ist (Präexistenz ist die Existenz der Welt als Idee vor ihrer Schöpfung durch G-tt.), ist eine einschließende, umfassende Substanz, die im Schöpfer enthalten ist, und weder diesem licht kann eine weitere neue Enthüllung zugeschrieben werden, noch Dem was in Ihm enthalten ist."

Deshalb wird gesagt: "Er bildete das licht". Er gestaltet Es zur korrekten form und bewertet Es für den Abstieg, so dass Es sich zu allen Regionen der verschiedenen Welten, sowie zu allen Reichen des lebens, verzweigen kann. Nun ist klar, dass wir nicht "von der Erschaffung" sprechen können, und wir nicht sagen, dass "Er das licht erschuf", da dies etwas kennzeichnen würde, das neu gebildet, neu enthüllt wurde.

19) So wie G-tt ewig ist, sind auch die lichter die von Ihm ausstrahlen immerwährend. So jedoch nicht die Dunkelheit, denn die Dunkelheit ist dasjenige, was alle negativen und beängstigenden Dinge enthält, die unser Verstand oder die Sinne wahrnehmen. Dementsprechend "erschuf Er die Dunkelheit". Er kreierte die Dunkelheit als etwas Neues. Er brachte sie zweifellos hervor um "das Bestehende vom Nicht-Bestehendem" zu sein. Das heißt, dass G-tt nichts von dieser Dunkelheit in Seinem besonderen Wesen umfasst. Wo es Unendliches licht und Güte gibt, kann keine Dunkelheit sein. Dunkelheit wurde mit der Schöpfung des Universums neu aufgedeckt. Die "Wurzel" oder der Ursprung dieser neu erstellten Dunkelheit, welche die Schöpfung begleitete, ist die phase der "Empfangsbereitschaft", die bereits behandelt worden ist. Es ist der Wunsch, den Reichtum zu empfangen, die Seinen ausströmenden lichtern innewohnend ist.

Diese Wurzel der Dunkelheit, die der "Wille zu empfangen" oder der "Wunsch zu besitzen" genannt wird, obgleich selbst ein licht, ist von Begin an ein wenig dunkler als das Himmlische licht, und wird folglich "Dunkelheit" im Verhältnis zu dem "licht" genannt. Am Ende seiner Weiterentwicklungen, stellt sich heraus, dass er die Ursache der Manifestationen aller bösen Geister ist, welche "Schalen" (Klipot) genannt werden, dem gegenüberliegenden pol der reinen Geister.

20) An diesem punkt ist es natürlich, dass die Frage bezüglich des tödlichen Schicksals von allen, die von ‚einem Willen zu empfangen' besessen sind, auftaucht. Weil ‚der Wille zu empfangen', zum Willen G-ttes konträr ist, muss ihn deshalb dieses drastische Endresultat der Sterblichkeit ereilen? Ist es nicht eine Tatsache, dass es zwingend für die Menschen ist, das ihre Verfassung aus ‚dem Willen zu empfangen' besteht; mit anderen Worten, unterschiedlich zu dem Schöpfer sein zu müssen, Dessen Willen es ist, zu geben oder zu schenken? Lassen Sie uns den prozess studieren, durch den es bewirkt wurde, dass die Verlangen als ein "Geschöpf" im Gegensatz zum "Schöpfer" unterschieden wurden. Dieses können wir verstehen, indem wir den Unterschied zwischen Geschöpf und Ursprung betrachten, wie es ausführlich in den vorangegangenen Abschnitten behandelt worden ist.

Dank neu enthüllter phänomene, kommt ein Geschöpf in das Sein. Jetzt müssen wir feststellen, dass der ‚Wille zu empfangen' oder das ‚Verlangen nach Vergnügen' für die gesamte Schöpfung lebenswichtig und förderlich ist. Darauf basiert der Gedanke und der Sinn der Schöpfung, und dieser besondere ‚Wille um zu empfangen' ist das tatsächliche Maß von Güte und von freigiebigkeit die geschenkt werden können, da er nur davon abhängt, wie viel das Gefäß beinhalten kann.

Wie bereits erklärt worden ist, wird ‚der Wille zu empfangen' als der "Ort des Überflusses" (Makom) bezeichnet. Warum jedoch kennzeichnen oder definieren wir dieses Merkmal von "Empfangsbereitschaft" als "Dunkelheit", was ihm einen Sinn von Untergang oder Zerstörung gibt? Die Antwort ist, dass Empfangsbereitschaft in den unteren Instanzen ein trennender faktor ist, und die Wesen von dem leben des lebens scheidet. Aber um dies vollständig zu verstehen, müssen wir zuerst die Quelle oder die Wurzel, des Vergnügens und des leidens finden, so wie diese in der körperlichen Welt erfahren werden.

Zu Beginn muss die Grundregel, dass der zweig in Harmonie mit der Wurzel stehen soll, angenommen werden. So sind die gesamte Materie, alle Erscheinungsformen oder Gewohnheiten, die der Ursprung oder die Wurzel enthalten, in natürlicher Harmonie durch den erwünschten zweig dieser Wurzel. Der zweig genießt und sehnt sich nach all jenen Dingen, die in der Wurzel sind, diejenigen, die nicht zu der Wurzel gehören, quälen den zweig und werden durch ihn vermieden. Er will sie nicht ertragen und reagiert gegen alles, was nicht die Wurzel betrifft. Dieses ist ein unabänderliches Gesetz welches Wurzel und zweig bestimmt.

Weil G-tt der Ursprung aller Geschöpfe ist, die Er erschuf, sind alle Dinge, die Er enthält und die direkt von Ihm ausströmen, für uns angenehm und wünschenswert, denn unsere Natur ist dem Ursprung entsprechend. Alles das nicht im Schöpfer enthalten ist und nicht direkt von Ihm ausfließt, ist jedoch auch übereinstimmend, in folge der Tatsache, dass die Welten auf eine andere Art nicht erstellt werden konnten, und so für den Menschen entgegenwirkend und schwierig zu ertragen sind.

Zum Beispiel: Wir haben freude am frieden und der Ruhe, und stehen wie selbstverständlich der Bewegung oder dem von Ort zu Ort wandern kritisch gegenüber. Wir bemühen uns nie, unsere Ruhe zu unterbrechen, ausgenommen für die Erlangung von noch mehr frieden und Ruhe. Die tatsächliche Ursache davon ist in unserem Ursprung auffindbar, da es in ihm keine Bewegung gibt. Die Natur des Schöpfers ist passiv, ruhig, erhaben und friedvoll. Er hat in keinerlei Weise eine funktion der Bewegung. Folglich wird von uns die Bewegung gering geschätzt, da wir die zweige unserer Wurzel, dem Schöpfer sind.

Auf die gleiche Art und Weise haben wir freude an der Klugheit, der Kraft, dem Reichtum und allen formen der wünschenswerten und geschätzten Qualitäten, da unser Ursprung ja alle solchen Qualitäten enthält. So ersehnen wir diese Qualitäten, die von Ihm besessen werden und verurteilen infolgedessen alle gegenüberliegenden Qualitäten wie dummheit, Schwäche, Armut, Missachtung, Schande und dergleichen. Unser Schöpfer, der unser Ursprung ist, enthält diese Defekte nicht, und folglich weisen wir sie zurück und verachten sie, wir können sie nicht erdulden.

21) Es ist notwendig den prozess dessen zu überprüfen und aufzudecken, dass indirekt vom Ursprung kommt, jedoch in Übereinstimmung mit der Schöpfung steht, wie vorher bereits erwähnt. Zu diesem zweck zitieren wir die folgende Veranschaulichung.

Ein wohlhabender Mann lud einen passanten in sein haus ein. Tag für Tag verpflegte er ihn und schenkte ihm die kostbarsten Schätze. Jeden Tag erhöhte er seine Gefälligkeiten zu denen des Vorabends.

Der Mann, welcher der Empfänger aller dieser Geschenke des wohlhabenden Wohltäters war, erlebte gleichzeitig zwei unterschiedliche Reaktionen. Zuerst schmeckte er das unbeschreibliche Vergnügen, die Annehmlichkeit, den Reichtum und die fülle. Dann fühlte er, während des Entgegennehmens vom reichen Mann, eine unbeschreibliche Verlegenheit und Schande durch das Erhalten dieses ganzes Überflusses. An jedem folgenden Tag steigerten sich seine Gefühle der Verlegenheit durch den dazukommenden Überfluss.

Jetzt wird es offensichtlich, dass die freude, die er durch das Empfangen seiner Geschenke fühlte, von der Schenkung des Gebers, dem wohlhabenden Mann, herrührte. Das unbequeme Gefühl der Schande jedoch, das er erfuhr, dieses sich verschlechternde Gefühl durch das Empfangen so vieler Geschenke vom Geber, wurde ihm nicht durch den letzteren zugefügt. Sein leiden kam von seiner eigenen besonderen Natur, denn seine Empfindung der Scham und Schande wurde durch sein Akzeptieren der Geschenke erweckt. Es könnte so erscheinen, als ob diese Unannehmlichkeit durch den reichen Mann verursacht wurde, wir müssen jedoch feststellen, dass sie nur indirekt vom Wohltäter zur Empfänger kam.

Durch das oben genannte Beispiel, können wir verstehen, wie alles was indirekt vom Schöpfer kommt, dem Empfänger Unannehmlichkeiten verursacht.

‚Der Wille zu empfangen' ist weder notwendigerweise demütigend, noch wird er vom Schöpfer als laster angesehen. Ganz im Gegenteil, er ist der lebenswichtige Sinn sowie der Dreh -und Angelpunkt der gesamten Schöpfung. Es könnte niemals ein "Geschöpf" geben, wenn es nicht diesen Willen gäbe, wie wir vorher bereits erklärt haben.

Der Empfänger, derjenige, der diesen "Willen" trägt, reagiert auf Grund seiner eigenen Natur entgegengesetzt. Er fühlte einen unerträglichen Groll, weil keine der phasen des Wunsches, so wie dem seinigen, in der Wurzel, dem Ursprung gefunden werden kann. Jetzt kann auch die Antwort des heiligen Buches des Sohar, die besagt, dass durch das Torah Studium und die Ableistung aller lehren und Gebote, das Manko der Verlegenheit und der Schande getilgt sein werden, sowie unsere eigene Überlegung zu diesem problem, nämlich, wie kann sogar ein leben der Arbeit, die Belohnung mit ewigem Glück ausbalancieren, verstanden werden. Da der Empfänger den göttlichen Dienst, mit ‚der Motivation um seinen Erschaffer zu erfreuen' durchführt, er folglich altruistisch fungiert, ist sein ‚Wille um zu empfangen' in einen ‚Willen um zu schenken' verwandelt. Wir müssen hier das ewig gültige Gesetz wiederholen, dass die Menschheit niemals in der Lage sein wird, sich selbst ihres natürlichen habgierigen Instinktes, Wunsches oder Verlangens zu berauben. Dies ist so, seit dem dieser in einer person inkarnierte und geboren wurde, und da er im Gedanken der Schöpfung innewohnend, eine lebenswichtige Absicht darstellt. Jedoch ist es möglich, diesen ‚Willen um zu empfangen', in einen ‚Willen um zu schenken' umzuwandeln. Folglich würde der Empfänger, obgleich er noch vom Willen, ‚um zu empfangen' besessen ist, sich nicht wünschen, das Kostbare und den Überfluss zu erhalten, der ihm durch den Schöpfer angeboten wird, ausgenommen für die eine Gegebenheit, dass sein solches Handeln, die freude zum Schöpfer überträgt. Er nimmt das Geschenk nur an, weil es der Wunsch des Schöpfers ist, dass sich jede Seele an Seiner fülle erfreut und darin schwelgt. Wenn die Seele selbst, von allen Verlangen um zu empfangen frei ist, kann sie in solch einem fall, alles annehmen, was vom Schöpfer geschenkt wird, ohne dieses untragbare Gefühl der Schande oder Verlegenheit, welches normalerweise von jedem Empfänger wahrgenommen wird, zu empfinden.

Solch ein prozess, den wir gerade beschrieben haben, stellt die Spitze der Vervollkommnung für das erschaffene Wesen dar. Es empfängt jetzt den Überfluss, durch den die allumfassende Güte und die perfektion des Schöpfers wirksam ist; und die Akzeptanz dieses lichtes wird nicht mehr durch das Manko der Schande begleitet.

22) Lassen Sie uns kurz die Notwendigkeit erklären, weshalb die Seele in einen Körper gesenkt wird, der ihr soviel Qual bereitet. Wir wissen, dass das neu erschaffene Instrument der Empfangsbereitschaft, durch Übung umgekehrt werden muss, bis es die perfektion wahrnehmen kann, die von der Tat des Schenkens herrührt. Im Körper ist ‚der Wille zu empfangen' in seiner vollsten Ansammlung vorhanden, und wie wir schon gesagt haben, dass der reine Geist, der unreine Geist und die Schalen, in aufeinanderfolgende Stufen unterteilt werden, so sind auch die verschiedenen Wünsche des Körpers in Stufen unterteilt.

Es ist die Seele, die all die unterschiedlichsten Wünsche des Körpers auf die ebene des Geistes umkehrt, wenn sie damit beginnt sich, unter der Bedingung dem Schöpfer freude zu übertragen, zu erfüllen. Da der materielle Körper von der größten Intensität des Wunsches oder ‚des Willen zu empfangen' besessen ist, geschieht es gerade eben hier, dass sich die Seele, in der irdischen Welt weilend, in ein Gewand aus fleisch kleiden muss. Hier soll sie mit dem Körper Erfahrungen sammeln, sich ausbilden, um ein passendes Instrument für das Ausführen des Schöpferwillens zu werden. Dann wird der Körper das Medium seines Lenkers, der Seele, werden.

Der intelligente Leser, muss beim Studieren dieser Seiten, einen vollständigen Einblick in diese Erfahrungen und Schulungen gewinnen, so dass er ein zutreffendes Verständnis dieses extrem subtilen Entwurfs vom Ewigen erwerben kann.

23) Nun, da wir viele Zweifel und philosophische Betrachtungen bezüglich des Verstehens der Bedeutung der Schöpfung, und dessen, was das ganze Universum erfüllt, überwunden haben, werden wir versuchen, das konzept der Einheit des Schöpfers, mit der ganzer Verschiedenartigkeit der Objekte und der phänomene zu erfassen, die uns im vorhandenen Universum gegenüberstehen. Das Universum und alles, was es ausfüllt, ist ein Modell der absoluten Einheit, wenn es sich innerhalb der Bereiche des Schöpfers befindet. Das heißt, alles wird im einen Ursprünglichen Gedanken des Schöpfers vereinigt, was wir vorher als den "Schöpfungsgedanken" beschrieben haben, der den eindeutigen und spezifischen zweck in sich trägt, dem Menschengeschlecht Güte, freude und zufriedenheit "beizubringen". Dieser spezifische Gedanke der Schöpfung umfasst alles Bestehende in einer absoluten, vollständigen Einheit, bis die komplette Korrektur und die Verbesserung des Universums abgeschlossen ist, das heißt, bis diese einzigartige bestimmte zeit erreicht worden ist, auf die die Gattung Mensch begeistert wartet: Die Ära von Gmar Tikun, dem Ende der Korrekturzeit.

24) Lassen Sie uns kurz über den einschließenden Charakter dieses Gedankens nachdenken. Das ziel des Schöpfungsgedankens ist diese zeit von unsäglicher Wonne und Glück: Ebenso ist es der selbe Gedanke, welcher der Ausführende oder der Erfüllende der Schöpfung ist. Wir wissen, dass die Energie des Ausführenden immer in dem Objekt fungiert welches behandelt wird, und diese Kraft wird sich, was nur aus einem Gedanke des Schöpfers besteht, notwendigerweise in den Geschöpfen weiterentwickeln; - wegen des göttlichen Gesetzes, so wie ein Echo diesem Gedanken gehorchend. In dem Erschaffenen wird sie als Teil seiner integralen Natur inkarniert, seit der Schöpfer den Gedanken hatte, allen die Güte zu schenken.

Indirekt führte Er in der gesamten Menschheit, mit hilfe dieses höchsten Gedankens, die herausstechende Tendenz oder die Neigung zur Empfangsbereitschaft aus. Als eine notwendige Gegebenheit wurden alle zu Empfängern Seiner Güte, alle wurden mit dem Wunsch ausgestattet, Seinen unbeschreiblichen Überfluss zu empfangen.

Dieser gleiche Gedanke des Schöpfers ist tatsächliche das erwirkte Objekt sowie die Ursache der Schöpfung. Um dieses faktum weiterhin zu erklären, könnten wir sagen, dass nachdem dieser unerbittliche ‚Wille zu empfangen' in unserer Natur verkörpert wurde, er verursachte, dass wir erschaffen wurden um ein neu enthülltes "existierendes Geschöpf" zu werden. Wegen dieses Merkmals der Empfangsbereitschaft, werden wir durch die Begrenzungen vom Schöpfer zu einer neu erschaffenen Gattung, vom Umkreis des Ausführenden zu den Begrenzungen der ausgeführten Sache, umgepflanzt.

Der Schöpfungsgedanke ist auch die gegenwärtige Arbeit und der Dienst, durch den wir unseren Willen des Empfangens in einen Willen des Gebens umwenden, damit wir dem Schöpfer freude geben können, so wie vorher beschrieben wurde. Die potentialität des Schöpfers muss im existenten Sein aufgedeckt werden.

So steigert sich die Kraft 'des Willens um zu empfangen' stufenweise, in Übereinstimmung mit dem Abstieg aller himmlischen und terrestrischen Welten, hinunter bis zur Manifestation unseres isolierten irdischen Kleides, des menschlichen Körpers, der zum Wesentlichen leben, dem Schöpfer, gänzlich konträr wirkt. Es liegt nicht innerhalb der Natur des Körpers, anderen Güte zukommen zu lassen, denn der Körper ist durch und durch, mit dem Wunsch für sein eigenes Wohlergehen beschäftigt. Dieses ist die hauptursache der Zerstörung und des Todes unter der Gattung Mensch; es verursacht der Seele auch unabwendbare Angst, Sorge und Qual. Der enorme Versuch der Seele, den Willen des Körpers umzuwandeln, mit anderen Worten, den ‚Wille um zu empfangen', dieses Instrument der Empfangsbereitschaft, auf die ebene des Geistes zu erheben, damit es ein aufnahmefähiges Gefäß des Schenkens wird, ist mit der Arbeit durch das Torah Studium und der Befolgung der Gebote behaftet, mit der Absicht den Erschaffer zu entzücken. Sobald der gesamte prozess abgeschlossen und komplettiert ist, verwirklichen wir unverzüglich unsere unermessliche Belohnung, aber so lange wir den Träger des Empfangens in unserem Willen noch nicht in die korrekte Haltung eines Willens zum Geben gebracht haben, können wir nicht auf Seinen unverhüllten himmlischen Reichtum hoffen.

So lange die Möglichkeit existiert, dass die Unzulänglichkeit von habgier nicht getilgt worden ist, wird es niemals dazu kommen, dass das Höchste licht bewilligt und gewährt wird. Altruismus muss ein für allemal die herausragende Qualität werden. Nächstenliebe, und nicht die Empfangsbereitschaft, soll der führende Charakterzug sein.

Sobald wir unseren Willen verbessern und korrigieren, und sogleich wir unseren Willen beeinflussen, damit wir dem Schöpfer freude spenden, fängt unser Wille an, Seinem Willen nachzueifern. Dann werden wir richtig auf Ihn ausgerichtet, mit dem ewigen leben vereinigt, und würdig Seinen Reichtum und Sein Übermaß zu empfangen und einzubehalten.

25) Nun können wir die phasen, die wir studiert haben, wie folgt kurz skizzieren: (a) der Erfüllende oder der Schöpfer; (b) das Objekt das erfüllt wird, oder das erschaffene Objekt (c) die Wurzel des Zerfalls, der neu enthüllte ‚Wille zu empfangen' der die Trennung vom Schöpfer verursacht; (d) die Aufgabe der Verbesserung und der Korrektur um den ‚Wille um zu empfangen' in einen ‚Wille um zu schenken' umzuwandeln; (e) die Arbeit und die Bemühung die zu diesem zweck verwendet wird; (f) der abschließende Ausgleich, am Ende aller akkumulierten Handlungen und Anstrengungen, wenn das Gefäß der Empfangsbereitschaft umgekehrt wird, was letztendlich zu der Belohnung führen wird.

All dies ist in dem einzigartigen, umfassenden und einfachen Gedanken des Schöpfers enthalten, dessen exakter Tenor, das Schenken Seiner endlosen Güte der Menschheit, ist.

Wir erkennen, dass die Vielzahl der allgemeinen Vorstellungen; auch die lehre der Torah, jedes weltliche Wissen und Anschauung, sowie die Schar der Geschöpfe und der Welten mit ihren mannigfaltigen Gewohnheiten und Traditionen, alle eine Nachkommenschaft oder Frucht der alleinigen Wurzel, des "Schöpfungsgedankens" sind, dessen ziel es ist, den Menschen endloses Glück zu schenken.