Rabbi Shim'on lehrt uns im Zohar eine fundamentale Wahrheit: Wehe jenen, die glauben, die Torah bestünde nur aus gewöhnlichen Geschichten und Worten! Wenn es so wäre, könnten wir heute mühelos Texte verfassen, die weltliche Angelegenheiten weit besser darstellen. Doch die Torah ist kein weltliches Buch; ihre Worte sind erhabene Geheimnisse.
Um in unsere Welt herabzusteigen, muss das göttliche Licht ein Gewand anlegen, das für diese Welt passend ist. So wie Engel ein menschliches Gewand anlegen müssen, um hier zu bestehen, so ist die Erzählung der Torah lediglich ihr äußeres Gewand. Wer denkt, dieses Gewand sei bereits die wahre Torah, dessen Geist schrumpft, denn er sieht nicht das Wunder, das darunter liegt.
Die Struktur der Torah ist vierstufig aufgebaut, genau wie der Mensch selbst: Es gibt das Gewand (die Geschichten), den Körper (die Gebote), die Seele (die Schönheit Israels) und die Seele der Seele (der Heilig Alte). Die Narren dieser Welt schauen nur auf das hübsche Gewand, auf die Geschichte. Jene, die mehr wissen, blicken auf den Körper unter dem Gewand. Doch die Weisen, die Diener des Königs, schauen allein auf die Seele – auf die Wurzel von allem, die wahre Torah.
Alles ist miteinander verbunden. So wie Wein in einem Krug lagern muss, so muss die Torah in dieses Gewand gehüllt sein, damit die Welt sie ertragen kann. Doch die Gerechten blicken tiefer. Sie wissen: Die Geschichten sind notwendig, aber die Essenz liegt in der spirituellen Tiefe, im Inneren der Worte.
Lass dich also nicht vom Äußeren täuschen. Die Geschichten sind die Hülle, doch das Licht, das sie transportieren, ist die unendliche Weisheit des Schöpfers. Wer die Torah richtig ansieht, sucht stets nach der Seele der Seele unter den Gewändern der Welt.