ZU DEN SAQS

13 // Messias, Jesus und die Bibel – Eine kabbalistische Einordnung

Zu Frage 1: Wie verhält es sich mit dem kommenden Messias?
Wörter wie Messias, Israel, Hebräer, Jude, Opfer, Blut, Adam, Wasser, Brunnen, Abraham, Moses oder Jerusalem sind spirituelle Konzepte. Sie können nicht einfach nur in der kausalen, dualen, berechnenden Welt verstanden werden. Die Torah beschreibt, wie die Kabbala, nicht nur unsere Welt, sondern auch die kommenden höheren Welten. Daher können Sie das in der Torah Gesagte nicht nach weltlichen Gesichtspunkten logisch begreifen. Einen Traum können wir ja auch nicht leicht verstehen, und trotzdem steckt in ihm vielleicht mehr Wahrheit, als unser Verstand uns sagen kann.

Mit Hilfe der Gematria (numerischer Zahlenwert eines Wortes) kann man die Torah tiefergehend verstehen. Man sollte sich jedoch mit dem hebräischen Urtext beschäftigen, da in Übersetzungen der tiefere Gehalt teilweise abhanden gekommen ist. Die Kenntnis der Gematria enthüllt sich erst auf einer hohen spirituellen Stufe, auf der der Mensch altruistische Eigenschaften entwickelt hat.

Zum Wort Messias: Es stellt eine Instanz dar, die jederzeit in jedem Menschen wirksam ist. Interessanterweise hat das Wort den gleichen numerischen Zahlenwert wie „Schlange“:

MESSIAS (358) = SCHLANGE (358)

Messias und Schlange sind spirituelle Möglichkeiten. Diese Instanz kann uns von der Einheit in die Zweiheit führen (wie bei Adam und Eva) oder uns zurück zum Ursprung leiten – weg von der Verzettelung in der äußeren Sinneswelt, hin zum Baum des Lebens.

Zu Frage 2: Welche Rolle spielt Jesus der Nazarener?
In der Kabbala spielt Jesus keine Rolle; in den fünf Büchern Moses wird er nicht erwähnt. Sein Name erscheint jedoch einmal in der Gemara (dem Kommentar zur Mishna, dem Kern der mündlichen Lehre). Dort steht geschrieben, dass in der Zeit, als Jesus lebte, das Leben vom Rat der Sanhedrin geleitet wurde – großen Kabbalisten, die fähig waren, zu „empfangen um zu schenken“. Einer ihrer Studenten war Yehoshua (Jesus). Er verbrachte dort jedoch keine lange Zeit und erreichte keinen Grad der Spiritualität im Sinne gebender Handlungen. Da er Ideen einbrachte, die der Kabbala fremd waren, wurde er ausgeschlossen. Die Gemara merkt an, dass dieser Ausschluss ein Fehler war, da man keinen Studenten mit Ausschluss strafen sollte.

Zu Frage 3: Wie glaubwürdig sind die 66 Bücher der Bibel?
Wir sprechen hier primär für die Torah, das Pentateuch. Sie ist das absolut stimmige Abbild des Universums in Schrift und Wort. Jeder Buchstabe spielt eine unveränderbare Rolle (kein Jota darf verändert werden!). Das Wort der Torah ist die Brücke vom Baum des Lebens zum Baum der Erkenntnis. Die Heiligen Schriften beschreiben den Gang des Menschen von der Einheit zur Zweiheit, zur Vielheit und wieder zurück zur Einheit.

Bibelauslegungen im üblichen Sinne verfehlen oft den ursprünglichen Gehalt, wenn sie nur geschichtlich oder kausal herleiten. Ihr Gefühl der Zwiespältigkeit gegenüber dem geschriebenen Wort ist ein natürliches Gefühl Ihres Verstandes aus dieser dualen, materiellen Welt. Der tiefere Sinn enthüllt sich auf einer mythischen Ebene, dort, wo der „6. Sinn“ angesiedelt ist, den die Kabbala schult. Der Glaube und die Ehrfurcht vor der Größe des Schöpfers führen den Menschen auf den richtigen Weg, diese zwiespältigen Gefühle zu verstehen und zu überwinden.

ÜBERSICHT