Wenn erkannt wurde, dass alles determiniert ist und der Beobachter unberührbar bleibt, stellt sich die radikale Frage nach der Konsequenz. Was folgt daraus für das tägliche Leben? Die Antwort lautet: Nichts – und genau darin liegt alles. Es gibt keine „Handlungsableitung“ im Sinne einer Optimierung, denn es gibt niemanden mehr, der außerhalb des Geschehens steht und eingreifen könnte.
Soll man springen oder weiterleben? Beides wäre nur ein weiterer Akt im Film. Die wahre Kapitulation ist nicht der Tod des Körpers, sondern das Sterben der Illusion, man könne die Geschichte nach Gusto ändern. Wer diese Freiheit wirklich schmeckt, muss nicht vom Balkon springen – er genießt das Fallen innerhalb des Lebens. Er wird zum Naturereignis: Er atmet, er isst sein Brötchen, er beobachtet den Schwindel, ohne eine Lösung zu erzwingen.
Die einzige „geistige Bewegung“ ist das Nachgeben. Wenn das Programm Stress produziert, dann produziert es eben Stress. Wenn die scheinbaren Freunde schweigen, dann schweigt sie eben. Die Handlungsableitung ist die fruchtbringende Faulheit: Tu, was getan werden muss (fahre zum Bahnhof, iss dein Brot), aber lass den Glauben los, dass das Ergebnis dich definieren könnte.
Kapitulation bedeutet nicht Resignation, sondern Einwilligung. Es ist das Ja zu dem, was ohnehin gerade geschieht. Daraus entsteht eine ungeheure Stabilität. Wer nichts mehr werden will, wer nichts mehr korrigieren muss, ist unbesiegbar. Er ist wie das Wetter: Er findet einfach statt.
Erkenne schließlich: Du bist nicht der Regisseur, du bist der Zuschauer, der so tief in den Film eingetaucht ist, dass er vergessen hat, dass er sicher im Sessel sitzt. Bleib sitzen. Schau zu. Genieß das Käsebrot. Mehr ist nicht zu tun.