Hermetische Beobachtung ist der Zustand der radikalen Versiegelung des eigenen Geistesraumes gegenüber den Projektionen der Welt. Es bedeutet, den Film des Daseins zu bezeugen, ohne ihn zu kommentieren, zu bewerten oder verändern zu wollen. Es ist ein Rückzug in das eigene Arcanum, in dem die Reaktionen der Außenwelt – ob Schweigen, Lärm oder Erwartungen – ihre Macht verlieren, den inneren Zustand zu definieren.
In diesem Zustand nähert sich der Mensch der Existenzweise von Tieren, Pflanzen und Mineralien an. Während der Mensch durch seine Neschama (den analytischen Geist) oft in die Falle der Zeit und des „Sollte-Seins“ tappt, verharren Tiere in der reinen Nefesh. Sie sind das, was wir oft gerne wären: Ein vollkommener Ausdruck des Augenblicks, ohne die Last einer Identität, die sich ständig selbst optimieren muss.
Die Hermetische Beobachtung erkennt an, dass alles Beseelte – von der unbelebten Materie bis zum Menschen – Teil einer göttlichen Hierarchie der Spiegelung ist. Doch nur durch die bewusste Kapitulation des Verstandes kehrt der Mensch in die Gnade der Unmittelbarkeit zurück, die Steine und Tiere nie verlassen haben.
Es geht nicht darum, weniger Mensch zu sein, sondern die „menschliche Tragik“ des ständigen Begreifen-Wollens als Teil der Naturerscheinung zu sehen. Hermetisch zu beobachten heißt: Den Schwindel wahrzunehmen, wie ein Baum den Wind wahrnimmt – ohne Absicht, ohne Widerstand, in vollkommener Präsenz im So-Sein.