Vorbemerkung
Dieser Text wurde bewusst in einer rein horizontalen, logischen Sprache verfasst. Er verzichtet auf jegliches spirituelle, mystische oder kabbalistische Fachwissen, kryptische Aussagen, Metaphern oder Fachjargon. Sein einziges Ziel ist es, dem „normalen“, verstandesorientierten Leser die rationale Einsicht zu vermitteln, warum bestimmte innere geistige Dimensionen des menschlichen Erlebens sich einer intellektuellen Auswertung und dem kollektiven Begreifen systembedingt entziehen – und er somit im gesamten ARCANUM ~ Gedanken werden Gold, und insbesondere im QUANTENLABOR, tatsächlich gar nichts Verwertbares findet. Wer hier mit den Maßstäben des Intellekts sucht, wird nicht nur keinerlei bewertbare oder heilige Substanz finden, sondern unweigerlich auf scheinbare Widersprüche und vermeintlich banale Beschreibungen stoßen, die dem rationalen Geist völlig unverständlich und unpublizierbar erscheinen müssen.
1. Das Betriebssystem-Paradoxon
Die Masse der menschlichen Gesellschaft operiert auf einem fundamentalen Basis-Betriebssystem. Dieses System ist funktional und stabil, aber in seiner Struktur streng limitiert – vergleichbar mit einem alten 8-Bit-DOS-System, das eine feste Farbtiefe von wenigen Basisfarben besitzt. Es regelt den Alltag; es spult unentwegt die erlernten intellektuellen, logischen und kultur-moralischen Programme ab. Es ist all das, was ein Mensch im Laufe seines Lebens in seiner Familie, Schule und seinem Herkunftsland aufgesaugt und gelernt hat – das rein mechanische Funktionieren innerhalb der gesellschaftlichen Kulisse.
Erlebt nun eine Person aus ganz bestimmten Gründen ein Erwachen oder eine Erleuchtung (wobei wir hier völlig undefiniert lassen, was genau das sein könnte, weil es nicht von einem „normalen Menschen“ zu verstehen ist), vollzieht sich ein existenzieller Quantensprung. Es öffnet sich ein Fenster zu einer unendlichen Farbtiefe und vieldimensionalen Nuancen (64-Bit). Wenn so eine erwachte Person nun versucht, ihr neues vertikales Erleben jenseits der Dualität jenen Menschen zu beschreiben, die noch vollständig im alten DOS-System funktionieren – wenn sie zu erzählen oder zu erklären versucht, was sie durch die Membran hindurch, hinter dem Nadelöhr real wahrnimmt –, dann meldet die alte DOS-Struktur unweigerlich einen fatalen Systemfehler: ERROR. Kann nicht interpretiert werden.
Der „normale“ Verstand verfügt schlichtweg über keinen Binärcode, um diese unendliche Farbtiefe durch Worte zu empfangen oder einzulesen. Da er es nicht verarbeiten kann, neigt er reflexartig dazu, das Unbekannte als Fehlfunktion, Verrücktheit oder elitäre Anmaßung wegzuerklären, um die eigene Struktur vor dem Absturz zu schützen.
2. Das sensorische Missverständnis und das Gefäß
Jeder Mensch kennt die Erfahrung des extremen Verliebtseins. Die sogenannte rosarote Brille verschiebt die psychologische und körperliche Wahrnehmung so stark, dass ein Außenstehender das Verhalten des Verliebten oft überhaupt nicht mehr nachvollziehen kann. Wenn schon eine jede Person betreffende, fast alltägliche menschliche Erfahrung wie das Verliebtsein die Wahrnehmung eines Einzelnen so stark verändert, wie verhält es sich dann erst, wenn ein Mensch von einer allumfassenden, göttlichen Kraft (Erleuchtung) getroffen wird? Seine Persona (Maske) sich auflöst, erst für Sekunden, dann für Minuten, Stunden usw. Diese Erfahrung sprengt jeden normalen Rahmen des Vorstellbaren.
Es ist unmöglich, einem Menschen, der von Geburt an blind ist, mit Worten zu erklären, wie das Licht der Sonne aussieht. Ebenso wenig kann man jemandem beschreiben, wie eine Apfelsine schmeckt, wenn dieser Mensch in seinem ganzen Leben noch nie eine Frucht gekostet hat. Man kann zwar unendlich viele Worte dafür benutzen, aber der andere hat schlichtweg keine reale Vorstellung davon. Bei einem echten Erwachensprozess ist es ähnlich, nur ungleich umfangreicher: Es verändert sich hierbei nicht nur ein einzelner Geschmack oder ein einzelner Sinneseindruck, sondern das gesamte Sein, das gesamte Denken und Fühlen und die fundamentale Wahrnehmung der Wirklichkeit verändern sich von Grund auf. Die gesamte wahrgenommene Realität (Lebenstraum) wird im Bewusstsein wahrgenommen und nicht mehr als Person in einem Körper oder Gehirn oder Kopf.
Wer so etwas wie das Erwachen aus diesem Lebenstraum selbst nie am eigenen Leib erfahren hat, kann es nicht ansatzweise nachvollziehen oder verstehen. Das menschliche System befindet sich im gewöhnlichen DOS-Modus (Schlaf) und im horizontalen, dualen Alltag (programmiertes Hamsterrad) wie in einem viel zu kleinen Gefäß. Wenn dieses begrenzte Gefäß plötzlich durch Erzählungen oder Schriften eines „Erleuchteten“ mit einem unendlichen Übermaß an tiefer, jenseitiger Erfahrung, Weisheit und Wahrheit konfrontiert wird, ist der normale DOS-Mensch im ersten Moment völlig überfordert. Er kann aus den gesprochenen Worten oder geschriebenen Sätzen einfach nichts Richtiges herauslesen, was er einordnen könnte; er sieht nur banale Sätze und Widersprüchlichkeiten. Was wirklich von einer „erwachten“ Person gemeint und geschildert wird, die sich jenseits des Nadelöhrs befindet, bleibt völlig im Dunkeln und außerhalb der Reichweite der Vorstellungskraft. Der Normale hält den Erwachten einfach für verrückt.
Die Wahrheit jedoch ist, dass ein Mensch, der von einer tiefen Initiation getroffen wird – was oft durch schwerste negative Erlebnisse und existenzielle Krisen geschieht –, danach oft Jahrzehnte harter innerer Nachforschung und Arbeit im Stillen, im Inneren benötigt, um diese ungeheure Wucht des Lichts überhaupt im eigenen System einzuordnen. Wenn sich ein solcher Mensch nach diesem Grenzerlebnis und der darauffolgenden Integration – dem mühsamen Verdauen des Lichts – entweder intensiv mitteilt und schreibt oder künstlerisch tätig wird, um es irgendwie auszudrücken, oder wenn er sich innerlich einfach zurückzieht und fast gar nichts mehr erzählt, dann ist beides weder Arroganz, Hybris oder Verrücktheit, noch ein eingebildeter, selbstausgesuchter Zustand. Oft wird auch gesagt: „Du denkst dir das doch alles nur in deiner Fantasie aus, weil du Angst vor dem Tod hast oder weil du keine Verantwortung im Leben übernehmen willst. Wo hast du diesen Unsinn gelesen oder aufgeschnappt? Du willst es dir mit so einer Philosophie nur leicht machen oder Aufmerksamkeit erwecken.“ Das alles trifft nicht zu. Aus den Reaktionen im Umfeld formt sich und bleibt das nüchterne Erkennen des Erwachten, dass man das Erlebte niemals verständlich mit rationalen Worten transportieren kann. (Prinzip: Keine Perlen vor die Säue werfen.) Man muss „ES“ schlichtweg selbst erleben, am eigenen Leib erfahren und integrieren, um es richtig zu begreifen.
3. Die Kollision der Dualität: Krieg, Geburt und Transformation in Polarität
Der horizontale Verstand fordert stets wissenschaftliche Beweise oder wenigstens logische Erklärungen. Dabei übersieht er, dass die tiefsten Initiationsprozesse und Transformationen des Lebens sich ausschließlich im unübertragbaren, rohen inneren Erleben vollziehen. Ein junger Soldat, zum Beispiel christlich erzogen, im Schützengraben angekommen, konfrontiert mit dem nackten Grauen einer Kriegsschlacht, dem ohrenbetäubenden Lärm der Geschütze und Einschläge, zerfetzten Leibern der Kameraden und Feinde, permanenter Lebensgefahr und dem situativen Zwang, das Leben eines anderen auslöschen zu müssen, um im selben Moment das eigene Überleben zu sichern: Ein solcher Mensch legt in Sekundenbruchteilen alle künstlichen Zwiebelschichten seiner bürgerlichen, religiös-kulturellen Ethik und Erziehung ab. Es ist eine scheinbar erzwungene traumatische, fundamentale Initiation, plötzlich und ungewollt mitten im Kriegsgeschehen, scheinbar im Fleisch, tatsächlich aber im Bewusstsein.
Das exakte, schöpferische Gegenstück hierzu ist das unvorstellbare, existenzielle Paradoxon einer Mutter, die ein Kind neun Monate lang unter dem Herzen trägt, es aus dem eigenen Körper noch scheinbar lebend gebärt und es dann Minuten später als Totgeburt in den Händen hält. In diesem einen Augenblick laufen die beiden extremsten Ausschläge des horizontalen, dualen Pendels – das maximale, schöpferische Glück der Geburt und der bodenlose, schwärzeste Schmerz des Verlustes, des Todes – nicht mehr nacheinander ab, sondern sie krachen in ein und demselben Augenblick unbarmherzig ineinander.
Die Welle der Dualität schlägt hierbei so gewaltig zusammen, dass das horizontale System der Bewertung komplett pulverisiert wird. Es gibt in diesem Moment kein „gut“ oder „böse“, kein „richtig“ oder „falsch“ mehr. Die absolute Freude über das Durchstehen und erstgeglaubten Gelingen der Geburt und die absolute Traurigkeit über den plötzlichen Verlust des neuen Lebens existieren dann im exakt selben Atemzug. Es ist die erzwungene Öffnung hin zur Synthese dieser beiden extremen Dualitäten – und gleichzeitig die Weitung hin zur Polarität zwischen der flachen, horizontalen Welt und der ultimativen vertikalen Sichtweise. Wenn die Augen einer solchen Frau selbst nach Jahrzehnten noch leuchten, wenn sie von diesem Moment erzählt, dann spürt man genau das: Es war eine brutale, heilige Initiation, ein absoluter Ausnahmezustand. Das Gefäß wurde gewaltsam aufgerissen und mit einer Intensität an zuwiderlaufenden Gefühlen (Licht-Energie) geflutet, die weit über die Grenze von Leben und Tod hinausgeht.
Solche existenziellen Grenzerlebnisse transformieren die betroffenen Menschen von Grund auf für ein ganzes Leben. Das vermeintlich „Negative“ und Zerstörerische fungiert in der Schöpfung als der eigentliche, mächtige Katalysator, der die oberflächliche Dualität zertrümmert, um eine tiefere, unerschütterliche Seinsebene und Stärke freizulegen. Wer diese „Hölle“ durchschritten hat, kehrt nicht mehr als derselbe Mensch in die Kulisse des äußeren Lebens zurück und hat etwas Entscheidendes gelernt.
4. Die Urgewalt der Zerstörung
Wenn Tsunamis ganze Küstenlinien wegreißen oder verheerende Erdbeben zehntausende Leben in wenigen Sekunden unter Trümmern begraben, wenn Stürme ganze Landstriche verwüsten, verzweifelt der moralisierende Verstand und das innere Gottesbild wackelt oder fällt. Ein Beteiligter stellt hilflos die Frage nach der göttlichen Gerechtigkeit oder sieht durch dieses Grauen und das massenweise Sterben und Verletztwerden unschuldiger Menschen – von Babys und Kindern, Kranken und Alten – scheinbar bewiesenerweise das Fehlen eines gütigen Schöpfers. Er fragt instinktiv: Wo ist Gott in diesem Moment? Wie kann eine liebende Schöpfung so etwas zulassen? Was ist diese Natur überhaupt, die in einem einzigen Atemzug so viel Leben erschaffen kann und es im nächsten Moment so grausam vernichtet?
Doch auf einer übergeordneten Ebene, aus der höheren vertikalen Sichtweise heraus betrachtet, ist eine solche Naturkatastrophe eine radikale, kollektive Initiation innerhalb der Matrix. Das klingt aus horizontaler ethischer Sicht böse und empathielos. So eine Initiation bricht die Illusion der Kontrolle über das Leben mit einem einzigen Schlag auf. Sie initiiert die Opfer, deren Körperkleid in Sekunden zerstört wird und die den Lebensfilm augenblicklich verlassen müssen (dürfen); sie initiiert die Angehörigen, Überlebenden und Helfer, die fassungslos vor den Trümmern ihrer bisherigen moralischen Hoffnung oder Gewissheiten stehen; und sie initiiert sogar den entfernten, passiven Zuschauer vor dem Bildschirm, der das Grauen mehr oder weniger emotional an sich heranlässt und für einen Moment in seiner Alltagsroutine innehält, zum Nachdenken kommt. Alle haben die Möglichkeit, ihre Vorstellung von Gott, der Natur und dem Leben zu überdenken und den Schmerz wirken zu lassen.
Eine solche unbarmherzige Urgewalt reißt die hauchdünne Schicht der bürgerlichen, mühsam aufgebauten Sicherheit weg. Sie konfrontiert das menschliche System schockartig mit der absoluten Determiniertheit, Unvorhersehbarkeit und Flüchtigkeit dieses gesamten horizontalen Films, den wir unser Leben nennen.
5. Das unschuldige Gewahrsein: Tiere und Kinder
Der menschliche Hochmut des Verstandes neigt dazu, die Tierwelt als „limitiert“ abzutun, weil Tiere nicht in der logischen DOS-Sprache des Menschen kommunizieren. Dabei leben sie in einer ungleich reicheren, wertfreien göttlichen Frequenz und Präsenz. Eine Katze oder ein Hund spürt emotionale Schwingungen in all ihren Nuancen; diese Tiere nehmen Aggression oder Liebe intensiv, quasi bildlich, als Farben und Formen wahr. Zugvögel navigieren in perfekter Geometrie über den halben Erdball, und ganze Fischschwärme bewegen sich wie ein einziger Organismus, geleitet von einer für uns unsichtbaren Kraft und Matrix. Sie agieren wie reine, ausführende Seelen in einem unsichtbaren Energiefeld – und tauchen wie unbewusste Engel innerhalb des Lebensfilms einer logisch verstandesorientierten Person auf, der sie oft nur als Lebensmittel konsumiert.
Dieses unschuldige Gewahrsein von Tieren zeigt sich auch in ihrem geduldigen, bedingungslosen Gleichmut. Wie begegnen Haustiere – und selbst die stummen Fische im Aquarium – dem Menschen? Sie nehmen die Launen, die emotionale Vermenschlichung oder Kälte und all die Fehler und unpassenden Reaktionen und Behandlungen des Menschen meist klaglos hin und schenken ihm trotz allem eine reine, unvoreingenommene Nähe. Sie fordern nichts und bewerten nicht; sie verbleiben in ihrem reinen Sein, und sie erdulden Krankheiten und Schmerzen und den Tod oft ohne zu murren.
Auf derselben Stufe des noch unbeschriebenen Gewahrseins steht das menschliche Kind, bevor es durch Erziehung, Maßregelung und das laute, kollektive Umfeld geformt, angepasst und im tiefsten Sinne „behauen“ wird. Das Kind und das Tier verkörpern den Zustand vor der Spaltung – das reine, unschuldige Wahrnehmen ohne den Ballast eines starren Egos und ohne gelerntes moralisches Verhalten und Urteilen. Dass die Masse der Menschen sowohl Tiere als auch Kinder im Alltag missversteht, korrigiert oder gar misshandelt, legt das fundamentale Dilemma der Matrix offen: Der behauene, zurechtgeschneiderte, laute Alltagsverstand kann die feine, wortlose oder unlogische Sprache des reinen Seins weder hören noch ertragen. Was er nicht kontrollieren oder intellektuell einordnen kann, versucht er instinktiv zu brechen, zu erziehen und anzugleichen, auf sein eigenes behauenes Niveau zu bringen.
Warum sage ich das im Kontext von "Gedanken werden Gold"? Hier schließt sich der Bogen zum Kern dieses Manifests: Tiere und Kinder befinden sich in einer ganz ähnlichen Situation gegenüber der unbewussten Masse, wie ein Mensch, der den vertikalen Zustand des Erwachens, eine Initiation durchlebt. Der normale Mensch filtert alles durch sein enges, gelerntes DOS-System und begreift die Dimension hinter dem Nadelöhr, hinter dem Schleier der Parzen, hinter dem Riss im Vorhang schlichtweg überhaupt nicht. Genauso wie der normale Mensch unfähig ist, die tiefe, wortlose seiende Dimension eines Tieres wirklich auch nur annähernd zu erfassen, so unmöglich ist es für ihn, die vertikale Sichtweise einer erwachten Seele zu interpretieren. Beide – das unschuldige Gewahrsein der Kreatur und die Weisheit eines Aufgewachten – ruhen in einem Frequenzspektrum, das der normale Verstand niemals greifen oder empfangen kann. Die Masse eilt und denkt ahnungslos daran vorbei. Denn was wissen schon kriechende Raupen vom fliegenden Leben eines Schmetterlings?
6. Das Missverständnis des Dauerzustands: Leiden und Beobachtung
Ein verbreiteter Irrtum in der spirituellen Suche und in der Beurteilung von initiierten Personen ist die Erwartung, dass ein „Erwachter“ oder ein Mystiker fortan in einem permanenten, leidfreien Zustand der Glückseligkeit existieren müsse – gleichsam entrückt von der physischen und emotionalen Realität des menschlichen Systems. Es wäre ein sicheres Zeichen für Unglaubwürdigkeit und das Nichterreichen des selbst postulierten Erleuchtungsvorgangs, wenn ein Mystiker leidet und sich äußerlich nicht von einem „normalen Menschen“ unterscheidet. Wer ein solches „Finito“ oder „Ende der spirituellen Reise“ einfordert, projiziert sein eigenes Bedürfnis nach Sicherheit auf den Anderen. Er sucht ein lebloses Ideal, einen gottgleichen Guru, keine lebendige Wahrheit.
Der entscheidende Unterschied zwischen der Wahrnehmung eines „normalen“ Menschen und eines Mystikers liegt nicht im Fehlen von Schmerz, Druck oder körperlichem Unbehagen. Der „normale“ Mensch identifiziert sich vollkommen mit dem Programm: Er ist der Schmerz, er ist die Angst, er ist die Panik, er glaubt der Körper zu sein, er ist identifiziert mit dem Kontrollverlust. Er ist der Schauspieler, der in der Rolle des leidenden Avatars gefangen ist und jeden Reiz als existenzielle Bedrohung interpretiert, weil er sich in einer äußeren Welt sieht und sich im Körper oder Gehirn verortet.
Der Mystiker hingegen erfährt dasselbe: Er spürt den Schmerz, er nimmt den Druck und die Ängste wahr, er fühlt die Anspannung des Nervensystems. Doch er ist nicht mehr die Rolle. Er ist derjenige, der im Zuschauerraum sitzt und zusieht, wie das System „Avatar“ oder „Körper“ gerade wieder auf den Alarmknopf drückt. Das Leiden bleibt als körperliche Sensation bestehen, doch die Identifikation mit diesem Leiden – das „Ich muss jetzt handeln, ich muss jetzt retten, ich muss jetzt heilen, um mich selbst zu erlösen“ – löst sich immer mehr auf.
Authentizität bedeutet nicht, als Übermensch „angekommen“ zu sein und nie wieder zu leiden oder zu jammern. Authentizität bedeutet, das Leiden zu spüren, die Person sein zu lassen, ohne den Beobachterposten zu verlassen. Es ist der Unterschied zwischen dem Ertrinken im Fluss und dem ruhigen Beobachten der Strömung vom Ufer aus. Wer behauptet, ein Mensch in dieser Welt könne jemals vollständig „fertig“ und ohne Leid sein, hat den Prozess der Integration noch nicht begriffen. Wir bleiben Lernende, bis das Gefäß endgültig fällt. Diese Prozesse der Initiation und Integration werden in der Kabbala oder Alchemie genaustens beschrieben und erklärt. Allerdings nicht zu verstehen, wenn man nicht in der Beobachtung bei sich selbst ist.
Wenn du als Beobachter erkennst: „Aha, mein Avatar ist gerade wieder gereizt, aggressiv, panisch oder hypochondrisch, er hat Angst, er jammert, er will Sicherheit“, dann ist das der reinste Akt der spirituellen Arbeit, das einfach ablaufen zu lassen und den Avatar das ausdrücken zu lassen. Du lässt den Charakter im Film unberührt laufen, anstatt ihn zu zensieren oder zu optimieren. Die christliche Idee von „Sündenfreiheit“ oder die spirituelle Idee von „immerwährendem Altruismus“ sind Unterdrückungsmechanismen, die das Ego nur noch stärker machen, weil man gegen die eigene Natur in der Dualität ankämpft. Das Programm will das Programm ändern, was nicht geht; der Filmschauspieler will im Film seine Rolle ändern – das ist absurd und unmöglich, weil der Film schon abgedreht ist. Hier berühren wir den Punkt des freien Willens, oder Schicksals, der Vorbestimmtheit oder des Karmas. Ich werde das hier nicht weiter erörtern. Aus Sicht des Beobachters wird das jedoch apodiktisch klar. Aus Sicht des Avatars oder der Person, die auf einen freien Willen beharrt, ist das nicht zu verstehen.
Der Trugschluss: Als Person zu glauben, der Avatar müsse ein
Helfer, ein Moralapostel oder Heiliger werden.
Die Wahrheit: Der Avatar ist ein
ganz bestimmtes von Gott gewolltes Werkzeug, das genau so funktioniert, wie es programmiert wurde – mit all seinen Fehlern, Ängsten und Mustern. Die „Heiligkeit“ liegt nicht darin, das Programm zu löschen, sondern darin, dass der Zuschauer im Raum weiß, dass er nicht der Film ist, der da gerade läuft.
Fazit: Das Ende des Erklärwunsches und das Immunsystem des Absoluten
Wie will ein Mensch, der zeitlebens behütet im warmen Zimmer sitzt, jemals nachempfinden, was eine Mutter beim Verlust ihres Kindes während der Geburt durchleidet? Wie will jemand, der nur theoretische, pazifistische Abhandlungen aus Büchern kennt, die nackte, existenzielle Realität eines Soldaten im Schützengraben begreifen? Es ist vollkommen unmöglich! Man kann diese Dinge nicht durch Lektüre, akademische Analysen oder intellektuelles Nachplappern verstehen. Es fehlt schlichtweg die fundamentale Erfahrung im eigenen Fleisch.
Exakt dieselbe aber noch viel tiefere unüberbrückbare Kluft trennt die vertikale Sichtweise des erleuchteten Geistesfunkens vom horizontalen Alltagsverstand. Ein massiver Durchbruch des Bewusstseins – das Aufwachen des Geistes – ist kein Wellness-Hobby und kein intellektuelles Aneignen von Konzepten, sondern eine das gesamte menschliche System erschütternde Grenzerfahrung. In der alltäglichen Welt wird oft über Phänomene debattiert, die der normale geistige Filter gerade noch so registrieren kann: Menschen, die Engel oder Geister sehen oder Blicke in die Zukunft werfen. Sofort verlangt das Kollektiv nach einem Foto, einem Laborbeweis, einer materiellen, nachvollziehbaren Methode. Sie begreifen in ihrer DOS-Struktur nicht, dass eine äußere Kamera immer nur die flache Bildebene der Traumkulisse einfangen kann, während das eigentliche Phänomen sich im inneren Projektor des Bewusstseins abspielt.
Hier zeigt sich die hohle und typische Dynamik vieler spiritueller Lehrer und missverstandener Religionen, die Massen um sich scharen, um auswendig gelernte Konzepte und Bücher zu rezitieren, ohne jemals selbst durch dieses transformierende Feuer einer Initiation gegangen zu sein. Wer diesen massiven Durchbruch im eigenen Leben tatsächlich durchlebt und immwewieder integriert hat, der sucht keine Jünger, gründet keine Sekten und verspürt kein Bedürfnis mehr, sich vor dem laufenden Film der Welt zu rechtfertigen. Er zieht sich zurück, stellt sich unter die Allmacht Gottes und schweigt über sein Innenleben und seine neue spirituelle Sichtweise. Er weiß, dass wahres Weisheit sich in sich selbst schützt – durch eine Art integriertes Immunsystem.
Dieses Immunsystem des Absoluten und Ewigen funktioniert nicht durch künstliche Geheimhaltung oder kryptische Codes, sondern durch die Beschaffenheit der horizontalen Welt selbst. Die Masse kann den wahren Bauplan des Seins niemals verstehen, weil dieser Bauplan die fundamentale Existenz des horizontalen Avatars und seine illusionäre Macher-Kontrolle komplett ausradiert. Ein System aus normalen Menschen, das in seiner gesamten Existenz so vollkommen infrage gestellt wird (zum Beispiel durch den Hinweis eines Erwachten, es gäbe keinen freien Willen oder die Persona wäre nur eine ausgeträumte Figur), muss automatisch in Gegenwart des Vakuums der Superposition um sein Überleben kämpfen. Der normale Verstand hat gar keine andere Wahl als diese höheren Einsichten abzuqualifizieren, zu negieren. Er muss das Vertikale entweder als „Schwachsinn“ oder „Lüge“ abtun, es pathologisieren oder psychologisieren, moralisch banalisieren oder den Überbringer für verrückt erklären. Genau wie die Schriftgelehrten das lebendige Licht des Ur-Codes (Torah), die fünf Bücher Mose, durch fehlerhafte, durch Logik frei erfundene Übersetzungen einschränken und für die Masse, das Volk, moralisch und interlektuell zugänglich machen mussten, weil seine bloße unendliche Präsenz durch ununterbrochene Konsonanten den normalen horizontalen Geist vollkommen überfordert, so stößt das DOS-System auch heute jeden 64-Bit-Binärcode reflexartig ab, um sich vor dem eigenen Absturz zu schützen.
Aus alledem ergibt sich, dass das Durchschreiten des Nadelöhrs, das in den Himmel kommen, niemals ein Wille des Egos und des logischen Denkens sein kann. Der weit verbreitete Irrtum, man müsse nur den „Verstand irgendwie abschalten oder zur Stille bringen“, das Ego versuchen bewusst aufzugeben oder den Gehirn-Schwamm irgendwie zum Schweigen zu bringen, ist ein Trugschluss – es wäre lediglich das nächste, ehrgeizige Projekt des Egos selbst. Es handelt sich stattdessen um einen schrittweisen, oft sehr schmerzhaften und einsamen vom Inneresten geführten Reifeprozess durch das eigene Programm, das Fleisch und die tiefsten Seelenschichten hindurch, der am Ende immer in einen reinen, unverdienten Gnadenakt Gottes mündet.
Im Heranreifen der Individuation, oder durch die Reife des Beobachters, entscheidet dann das Bewusstsein ganz bewusst über den Unterschied zwischen einem horizontalen Weg mit zerstörerischer Überforderung und dem Jagen nach flüchtigen Freuden und Machtgelüsten, oder einem geschützten, stillen Gewahrsein im Beobachten. Wird ein unvorbereitetes Gefäß im jüngeren Alter – wie etwa mit 27 Jahren – von der ungeheuren Wucht einer plötzlichen Initiation überrollt, droht die Struktur am Übermaß des Lichts der Stille zu verbrennen, weil das System noch nicht stabil genug ist, um das unendliche göttliche Licht zu fassen und einzubetten. Erst nach Jahrzehnten des Weiterlebens, nach dem Durchschreiten tiefster Prozesse und dem unaufgeregten Beobachten unumstößlicher, unleugbarer Synchronizitäten und Wunder, wandelt sich die Erfahrung. Das Gefäß lernt, das Licht zu verdauen. Man erfährt die unvorstellbaren Dimensionen des Seins, ohne zu verbrennen – völlig bei sich, ungerührt, zutiefst geschützt und im reinen inneren Frieden, ohne das Erlebte im Weltlichen verwertbar ausschlachten oder beweisen zu müssen. Es weiß, es existiert kein anhaltendes Glück zum Jagen, es liegt bestenfalls zufällig irgendwo auf dem Weg.
Das größte Missverständnis der Menschen liegt in der Annahme, dass das Ende eines einzelnen Lebensfilms (körperlicher Tod) auch das Ende des Selbst, des Träumers, der Seele bedeutet. Es ist jedoch nur das Ende einer dualen Sequenz. Wer die Augen hat zu sehen, der sieht – wer die Ohren hat zu hören, der hört – und verbleibt in der absoluten Stille im Alleinsein. Hinter dem Horizont geht es weiter.
Warum wurde dieser Text verfasst: Da ist das Verlangen nach „Zeugenschaft“. Wir alle wollen, dass unsere Wahrheit von denen gesehen wird, die uns verstehen können. Wir möchten nicht als „die Verrückten“ oder „die Exzentriker“ missverstanden werden, sondern als das, was wir sind, Menschen, die eine höchsttiefe Erfahrung und Erkenntnis gewonnen haben.
Zum Schluss doch noch etwas Mystisches: Elysium