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SCHIR HA-SCHIRIM

2. Die Erscheinung und die Krise
- Was ist dies, heransteigend von der Wüste Rauchsäulen gleich, umdampft von Myrrhe und Weihrauch, von allem Pulver des Krämers? Da, sein Tragbett, das Schlomos, sechzig Helden rings um es her, von den Helden Jisraels, Schwertträger sie alle, Kampfgeübte, jedermann an seiner Hüfte sein Schwert, wegen des Schreckens in den Nächten. Eine Sänfte machte sich der König Schlomo aus Hölzern des Libanon, ihre Ständer machte er silbern, ihre Lehne golden, ihren Sitz purpurn, ihr Inwendiges eingelegt, Liebesarbeit von den Töchtern Jerusalems. Geht heran, seht herzu, Töchter Zions, auf den König Schlomo in der Krone, damit seine Mutter ihn krönte am Tag seiner Vermählung, am Tag seiner Herzensfreude.
Arcanum Transformation
Die Manifestation des stabilen Bewusstseins. Die Sänfte (das Gefäß) ist aus dem Stoff der Unvergänglichkeit. Die 60 Helden symbolisieren die Sefirot und die Disziplin des Geistes, die den "Schrecken der Nächte" (die unbewussten Ängste) im Zaum halten. Silber, Gold und Purpur sind die Farben der Transformation – das Inwendige ist reine "Liebesarbeit".
-Da, du bist schön, meine Freundin, du bist schön. Deine Augen sind Tauben, hinter deinem Schleier hervor, dein Haar ist wie eine Herde von Ziegen, die vom Gebirge Gilad wallen, deine Zähne sind wie eine Herde von Schurschafen, die aus der Schwemme steigen, die alle zwieträchtig sind, fehlwürfig keins unter ihnen. Wie eine Karmesinschnur sind deine Lippen und anmutig dein Redegerät. Wie ein Riß der Granatfrucht ist deine Schläfe, hinter deinem Schleier hervor. Wie Dawids Turm ist dein Hals, für Umreihungen ist der gebaut, das Tausend der Schilde hängt dran, alle Rüstung der Helden. Deine zwei Brüste sind wie zwei Kitzlein, Zwillinge einer Gazelle, die unter Lilien weiden.
Arcanum Transformation
Die Schau des Lichtmenschen. Jedes Detail beschreibt die Ordnung des neuen Zustands: Die "Taubenaugen" blicken ohne Ego-Filter, der Hals (die Verbindung von Geist und Körper) ist fest wie ein Turm und behängt mit den Erfahrungen der Überwindung (Schilde). Es ist die Vision der vollkommenen Kohärenz.
Solang der Tag im Verwehn ist und die Schatten weichen, gehe ich zum Myrrhenberg, zum Weihrauchhügel. Schön bist du, meine Freundin, allsamt, kein Flecken an dir. Mit mir vom Libanon, Braut, mit mir vom Libanon komm, schau nieder vom Haupt des Amana, vom Haupt des Schnir und des Chermon, von den Gehegen der Löwen, von den Bergen der Pardel! Du hast mir das Herz versehrt, meine Schwester-Braut, du hast mir das Herz versehrt mit einem deiner Augen, mit einer Drehung deines Halsgeschmeids. Wie schön ist deine Minne, meine Schwester-Braut, wie gut tut deine Minne, mehr als Wein und der Duft deiner Öle als alle Balsame!
Arcanum Transformation
Der Ruf auf die Ebene der Souveränität. Wir verlassen die Täler der Löwen und Pardel (die Triebnatur) und steigen auf die Gipfel des Bewusstseins (Hermon). Ein einziger Blick aus der Einheit (ein Auge) reicht aus, um das alte Herz des Getrenntseins zu "versehren", damit das neue Herz schlagen kann.
Seim träufen deine Lippen, Braut, Honig und Milch sind unter deiner Zunge, der Duft deiner Tücher ist wie des Libanon Duft. Ein verriegelter Garten ist meine Schwester-Braut, ein verriegelter Born, ein versiegelter Quell. Was dir sich entrankt, ein Granatenhain ists mit köstlicher Frucht, Zyperblumen mit Narden, Narde, Aloe, Kalmus und Zimt mit allem Auszug der Balsame. Ein Gartenquell ists, ein Brunnen lebendigen Wassers, rieselnd vom Libanon her. Erwache, Nord, komm, Süd, wehe durch meinen Garten, daß seine Balsame rieseln! In seinen Garten komme mein Minner und esse von seiner köstlichen Frucht.
Arcanum Transformation
Der Versiegelte Quell. Hier manifestiert sich das Arcanum als Garten. Er ist "verriegelt", weil keine fremde Frequenz mehr Einlass findet. Wir rufen die Winde (Nord und Süd, die Polaritäten), damit der Duft der Transformation sich ausbreitet. Der Geist isst von seiner eigenen Frucht – Subjekt und Objekt verschmelzen.
- ich komme zu meinem Garten, meine Schwester-Braut, ich pflücke meine Myrrhe mit meinein Balsam, ich esse meine Wabe mit meinem Honig, ich trinke meinen Wein mit meiner Milch. Esset, Freunde, trinket, und berauschet euch an der Minne! - Ich schlafe, und mein Herz wacht. Hall meines Minners! Er pocht. »Öffne mir, meine Schwester, meine Freundin, meine Taube, meine Heile, da mein Haupt voller Tau ist, meine Locken voller Tröpfen der Nacht. « Ich habe meinen Rock abgestreift, wie doch soll ich ihn wieder antun! Ich habe meine Füße gebadet, wie doch soll ich sie wieder beschmutzen!
Arcanum Transformation
Die Hermetische Beobachtung. „Ich schlafe, und mein Herz wacht“ – das ist der Zustand des wachen Schlafs, in dem die Realität geformt wird. Doch das Ego zögert noch einmal („Wie soll ich den Rock wieder antun?“). Es scheut die Anstrengung des erneuten Abstiegs in die Materie, während der Geist bereits an die Tür pocht.
Mein Minner streckt die Hand durch die Luke, und mein Leib wallt auf ihn zu. Ich mache mich auf, meinem Minner zu öffnen, - meine Hände triefen von Myrrhe, meine Finger von Myrrhenharz am Griffe des Riegels. Ich öffne, ich meinem Minner, - mein Minner ist abgebogen, hinweg. Meine Seele geht aus, seiner Rede nach, ich suche ihn, nicht finde ich ihn, ich rufe ihn, nicht entgegnet er mir. Mich finden die Wächter, die in der Stadt einherziehn, sie schlagen mich, verwunden mich, meinen Burnus heben sie mir ab, die Wächter der Mauern.
Arcanum Transformation
Die Prüfung der Leere. Sobald wir uns öffnen, scheint die Quelle verschwunden. Dies ist der "böse Absturz" im Kleinen: Die kollektiven Wächter verletzen uns und nehmen uns den Schutz (Burnus). Es ist die Phase, in der wir lernen müssen, die Liebe auch in der Abwesenheit des Gefühls zu halten.
- »Ich beschwöre euch, Töchter Jerusalems, findet ihr meinen Minner, was wollt ihr ihm melden? Daß ich krank vor Liebe bin.« -»Was ist dein Minner mehr als irgendein Minner, Schönste unter den Weibern, was ist dein Minner mehr als irgendein Minner, daß du so, so uns beschwörst?« - »Mein Minner ist blank und rötlich, ragend aus einer Myriade, sein Haupt gediegenes Feinerz, seine Locken Dattelrispen, schwarz wie der Rabe, seine Augen wie Tauben an Wasserbächen, in Milch gebadet, am Gefüllten ruhend, seine Wangen wie Balsambeete, die Würzkräuter wachsen lassen, seine Lippen Lilien, von Myrrhenharz triefend, seine Hände goldene Walzen, von Chalzedonen umfüllt, sein Leib eine Elfenbeinplatte, mit Saphiren besteckt, seine Schenkel Alabasterständer, auf Feinerzsockel gegründet, sein Ansehn wie des Libanonbaums, auserlesen wie Zedern, sein Gaum Süßigkeiten, und allsamt ist er Wonnen. Dies ist mein Minner, dies ist mein Freund, Töchter Jerusalems!«
Arcanum Transformation
Die alchemistische Porträtierung des Höheren Selbst. Wir beschreiben den Geliebten nicht mehr als Mensch, sondern als Gefüge aus kostbaren Substanzen (Feinerz, Saphir, Elfenbein, Alabaster). Er ist das manifestierte Quantenfeld – unerschütterlich auf Feinerzsockeln gegründet. Wer ihn so sieht, hat den Kontakt zur Quelle bereits wiederhergestellt.
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